Fachbeiträge

Entwicklung und Gestaltung eines Breakout-Games für den Religionsunterricht

Escape-Games und Escape-Rooms erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. Man lässt sich freiwillig einsperren, muss gemeinsam Hinweise finden und Rätsel entschlüsseln, um zu gewinnen. Warum also diese Methode nicht auch im unterrichtlichen Kontext verwenden? Auch das ist nicht mehr ganz neu – im Netz finden sich diverse Ideen oder gar fertige Escape-Games für den Unterricht. Unter dem Namen „BreakoutEDU“ gibt es gar einen kommerziellen Anbieter.

Über Sinn und Zweck des Einsatzes eines solchen Breakouts lässt sich durchaus streiten. Selbstverständlich können sie eingesetzt werden, um insbesondere die 4K-Kompetenzen neben weiteren Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Problemlösen, etc. der Schüler*innen zu fördern. Für mich war dieses Ziel innerhalb meines Fachunterrichtes aber nicht ausreichend. Denn wenn das allein das Ziel wäre, müsste das Breakout ja gar nicht zwingend einen „EDU“-Kontext haben. Dann kann ich auch jedes x-beliebige Escape-Game im Laden kaufen. Zum anderen wollte ich es aber auch nicht als bloße Methode nutzen, die einmalig innerhalb einer Lernsituation eingesetzt wird. Meine Idee war vielmehr, ob man nicht die gesamte Lernsituation als Breakout aufbauen könnte? Dass sich die Schüler*innen also mit neuen Inhalten beschäftigen müssen, um die Rätsel lösen zu können und dabei also quasi „im Vorbeigehen“ die neuen Inhalte lernen. (Das Lernen von neuen Inhalten geschieht natürlich nicht im Vorbeigehen. Daher sind Zeiten zur Vertiefung, Wiederholung und Reflexion vorgesehen in der Lernsituation. Diese können auch variiert werden, je nach Lerngruppe.)

Bei meinen Recherchen fand ich dafür leider kein Vorbild. Aber das sollte mich nicht abhalten. Ich fing an mit einer Menge Notizen auf Schmierzetteln, die ich immer mal wieder anschaute, korrigierte, wegstrich, doch wieder aufschrieb… Was sich schlussendlich als sinnvolles Vorgehen erwies:

  1. die gewünschten Lerninhalte notieren
  2. eine passende Rahmengeschichte ausdenken
  3. mögliche Rätsel recherchieren und den Inhalten zuordnen

Ich habe mein Breakout in der Reihenfolge entwickelt, wie es später auch gespielt wird. Für einige Bestandteile hatte ich mehr, für andere weniger Vorarbeit geleistet, doch insgesamt hatte ich so die Möglichkeit, den logischen Aufbau des Games schon während des Entstehens zu überprüfen.

Für mein Breakout sollten die Lerninhalte Grundlagenwissen zu den drei monotheistischen Religionen sein – mit einer Zusammenführung am Ende, die auf das Gemeinsame und nicht das Trennende blickt. Dazu habe ich mir dann für die drei Religionen jeweils besondere Schwerpunkte herausgesucht: Themen bzw. Inhalte, die von den Schüler*innen bearbeitet werden sollen. Bei der Entwicklung des ersten Teiles des Breakouts zeigte sich, dass manche Inhalte besser geeignet sind als andere. Sinnvoll(er) sind solche Geschichten oder Geschehnisse, die eine gewisse Bewegung oder Reihenfolge erkennen lassen. Denn aus diesen lassen sich entsprechend gut Rätsel erstellen.

Für das Thema Judentum konnte ich so die folgenden Themen und Inhalte unterbringen:

  • Abraham: Lebensgeschichte (Bund mit Gott)
  • Mose: Lebensgeschichte, 10 Plagen, Exodus
  • Pessach / Seder: Ursprung und heutiger Ablauf des Festes
  • 10 Gebote: Herkunft, Inhalte

Im Zusammenhang mit den anderen beiden Religionen Christentum und Islam bot sich dann Jerusalem als gemeinsamer Nenner an, sodass die Rahmengeschichte in dieser Stadt angesiedelt ist. Der erste Teil zum Judentum ist bereits vollständig fertiggestellt und kann gerne genutzt werden:

Hier finden Sie die Einführung für die Lehrperson

Hier das Grundmaterial für die Schüler*innen

Hier die Hinweiskarten für die Schüler*innen

Hier die Bilder für das Spiel

Viel Freude beim Ausprobieren!

 

Bisher beinhaltet das Breakout nur analoge Rätsel, da mir das bei der Erstellung leichter fiel. Solche Rätsel bin ich aus entsprechenden Spielen und Büchern gewöhnt und konnte entsprechend darauf zurückgreifen. Außerdem hatte ich bei der Entwicklung eine Lerngruppe vor Augen, die besser auf haptische Impulse reagiert und sich besser und ausdauernder damit beschäftigen können wird.

Grundsätzlich lässt sich ein solches Breakout aber natürlich auch kombiniert mit digitalen Materialien und Rätseln oder rein digital erstellen. Das erweitert die Möglichkeiten natürlich immens.

In absehbarer Zeit werde ich die Teile zum Christentum und Islam fertigstellen. Und vielleicht gibt es auch noch mal etwas zu Yezidentum, Buddhismus, Hinduismus, …? Die Möglichkeiten sind schließlich unerschöpflich!

(Meine Weiterarbeit werde ich auch weiterhin bei twitter unter dem Hashtag #relibreakout in Teilen dokumentieren.)

Elena Gielians ist Lehrerin an einer berufsbildenden Schule in Hildesheim, Niedersachsen. Sie unterrichtet in der Fachrichtung Druck-/Medientechnik und im Fach Religion. Sie setzt sich für eine Stärkung des Religionsunterrichtes im berufsbildenden Bereich ein und ist daneben (u.a.) an den Themen Bildung, Medien, Digitalisierung und Feminismus interessiert. Außerdem ist sie Vorstandsmitglied der VER Niedersachsen (ver-bbs.de) Twitter: https://twitter.com/Helmutsdottir Blog: https://helmutsdottir.blog   CC BY-NC-SA 3.0 Elena Gielians | reli.ch
Kompetenz: 3B-3, 4A-2, 4B-1, 4D-3