Erstens: Wir müssen unterscheiden zwischen Zentrum und Peripherie

Die Bibelbücher kreisen wie Planeten um das theologische Zentrum der Bibel. Einige der 66 Bibelbücher sind auf einer engen, andere auf einer weiten Umlaufbahn unterwegs. Der Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Intention, mit der die Geschichtsbücher, Briefe oder lyrischen Sammlungen der Bibel verfasst worden sind. Nicht immer wollten die Autoren den Kern des Evangeliums erklären, manchmal ging es ihnen nur darum, Fragen ihrer Leserinnen und Leser zu beantworten, auf Fehlentwicklungen hinzuweisen oder den Gemeinden Mut zuzusprechen.

Darf man so argumentieren? Man darf. Ein historisches Beispiel: Martin Luthers Schriften umfassen fünf Regalmeter. Aus seinen Predigten, Briefen und Sendschreiben, Traktaten, Vorlesungen, Tischreden sowie aus den sogenannten „Hauptschriften“ hören wir Luther über Wichtiges, Nebensächliches und Belangloses sprechen und schreiben. Das Zentrum seiner Theologie ist dabei unzweifelhaft zu identifizieren: die Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnade.

 

 

Zweitens: Wo finden wir die „Mitte der Schrift“?

Die 27 Bücher der Bibel des Neuen Testaments finden sich im Neuen Testament in einer festgelegten Reihenfolgt. Das Evangelium nach Matthäus steht als erstes Buch des Neuen Testaments an dessen Anfang. Dann folgen die Briefe des Paulus und anderer Verfasser. Die Offenbarung des Johannes ist hingegen nicht zufällig zum letzten Buch der Bibel geworden. Der Grund: Die Evangelien mit ihren Jesusgeschichten kreisen in engen Bahnen um die zentrale Botschaft der Bibel, die Apokalypse des Johannes hingegen ist weiter von ihr entfernt. 

Drittens: Und was ist nun die zentrale Botschaft der Bibel?

Wenn es stimmt, dass sich hinter der Reihenfolge der Bücher des Neuen Testaments ein theologisches Konzept verbirgt, macht es Sinn, das bei der Lektüre des Neuen Testaments zu beachten: Lies zunächst das Evangelium nach Matthäus und dann das Evangelium des Markus. Wenn du auch das Evangelium des Lukas geschafft hast, bist du auf Seite 100 angelangt. Dann hast du etwa ein Drittel des Neuen Testaments gelesen. Nun kannst du die Frage beantworten, mit der dieser Blog überschrieben ist. Meine Antwort ist zugleich ein Tipp: Wer die Festmalgeschichten des Lukasevangeliums verstanden hat, hat viel von Jesus verstanden.