Reportagen am Gymnasium
Gelebte Religion erfahren und Stereotype abbauen
Eine Schülerin fährt nach Langenthal und verbringt einen Nachmittag mit einer jungen Sikh. Ein Schüler besucht einen Krishna-Tempel. Andere feiern mit der tibetischen Gemeinschaft Losar oder treffen einen Fussballer, der nach seiner Flucht aus Syrien in der Schweiz ein neues Leben aufgebaut hat. Solche Begegnungen standen am Anfang der Reportagen, die in den vergangenen Monaten auf religion.ch erschienen sind. Möglich wurde das Projekt durch die Zusammenarbeit mit Salome Leah Hengartner und dem Literargymnasium Rämibühl in Zürich. Im Ergänzungsfach Religion setzen sich die Schülerinnen und Schüler nicht nur mit Religionen und Weltanschauungen auseinander, sondern diskutieren, wie Religion in den Medien dargestellt wird, welche Stereotype dabei entstehen und wie man Menschen porträtieren kann, ohne sie auf ihre religiöse Zugehörigkeit zu reduzieren.
Einige der Begegnungen wurden zudem durch die Guides von Dialogue en Route ermöglicht. Die Schülerinnen und Schüler verlassen das Klassenzimmer, machen sich auf den Weg und lassen sich auf Begegnungen ein. Sie hören zu, beobachten und stellen Fragen. Aus diesen Begegnungen entstehen Reportagen, in denen sie das zuvor Diskutierte unmittelbar anwenden können. Und durch die Reportagen werden die Begegnungen wiederum für andere Menschen zugänglich. Die spürbare Lebendigkeit in den unterschiedlichen Geschichten und die Einsicht, dass junge Menschen immer wieder neue Wege finden, auf andere Menschen, Gemeinschaften und Lebenswelten zuzugehen, erfreuen einen.
Im Unterricht ging die Klasse der Frage nach, was eine Religion überhaupt ausmacht, wie sich die Schweizer Religionslandschaft verändert und wie Medien das Bild von Religionen prägen. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Rolle von Stereotypen und Vorurteilen. Passend dazu erhielten die Schüler:innen im Rahmen ihres Reportagenprojekts einen Crashkurs im Schreiben von Reportagen und im Fotografieren. Gemeinsam mit der Redaktion von religion.ch wurde diskutiert, welche Methoden es für eine kontextuelle Darstellung von Religionen gibt und weshalb religion.ch den Fokus auf die gelebte Religion legt. Zum Abschluss haben die Schüler:innen selbst eine Reportage verfasst und das Gelernte in die Praxis umgesetzt.
Nachfolgende Reportagen sind im Rahmen des Ergänzungsfachs Religionswissenschaften am Literargymnasium Rämibühl entstanden:
Alte Götter, neue Wege – Neuheidentum in der Schweiz
Neuheidentum wirkt für viele wie etwas aus vergangenen Zeiten. Doch auch in der Schweiz gibt es Menschen, die ihren Glauben abseits etablierter Religionen leben. Ein Besuch bei Nuria zeigt, wie dieser Weg im Alltag aussehen kann. Von Alma Bender-Freisinger
Zwischen zwei Welten – und doch ganz zu Hause
Ein Sonntagabend, ein Essen mit den Eltern – und eine Geschichte, die weit darüber hinausgeht. Eine Reportage über das Aufwachsen zwischen zwei Lebenswelten und den Weg, aus beiden Welten etwas Eigenes zu machen. Von Kerem Öztürk
Gespräch mit einem Pfarrer
Mit dem Pfarrberuf verbinden viele Menschen noch immer die Vorstellung einer Tätigkeit, die weit über einen gewöhnlichen Job hinausgeht. Doch was bedeutet es heute, Pfarrerin oder Pfarrer zu sein? Ein Gespräch mit Christoph Ammann über Beruf, Berufung und den Wandel eines traditionsreichen Amtes. Von Lina
Jüdisch-Sein in Zürich – Das Leben in einer religiösen Minderheit
Wie fühlt es sich an, in der Schweiz als jüdische Person zu leben? Séverine spricht über eine Kindheit, in der «Judenwitze» zum Schulalltag gehörten, über das Gefühl, für andere ein bestimmtes Bild von Jüdinnen und Juden vermitteln zu müssen und über ihren Umgang damit heute. Von Sophie D.

Von St. Gallen nach Langenthal: Warum sich der Weg für Navpreet lohnt
Warum verbringt eine junge Frau ganze Sonntage mit Gottesdienst und nimmt dafür auch noch viele Stunden Autofahrt in Kauf? Die Antwort suche ich in einem Industriegebiet im bernischen Langenthal – in einem Tempel der Sikh. Von Sophie Günther
Neujahr fern von Tibet – wie Tenzin Losar feiert
In einer grossen Halle versammeln sich Familien, Kinder stehen auf der Bühne, auf dem Altar liegen weisse Schals. Beim tibetischen Neujahrsfest Losar kommt eine Gemeinschaft zusammen, um ihre Traditionen zu leben. Eine Schülerin begleitet Tenzin durch den Abend und erhält Einblicke in ein Fest, das weit über den Jahreswechsel hinaus Bedeutung hat. Von Wanda

Der junge Präsident des Krishna-Tempels
Zwischen Tempelalltag in Zürich und Pilgerwegen in Indien erzählt dieser Besuch beim Tempelpräsidenten Damodar Prasad von einer Lebenspraxis, in der Hingabe, Gemeinschaft und Verantwortung den Alltag prägen. Von Lionel Ruckstuhl
Fussball, Glaube und ein Neuanfang
Integration ist ein viel verwendeter Begriff in Politik und den sozialen Medien. Und doch bedeutet er für jede Person etwas anderes. Für die einen geht es um Sprache oder Arbeit, für andere darum, ein neues Leben aufzubauen oder Zugehörigkeit zu finden. Doch was bedeutet Integration für jemanden, der seine Heimat verlassen und alles hinter sich lassen musste? Diese Reportage begleitet Yusef Osman, einen Flüchtling aus Syrien, in seinem Alltag. Wie gelingt es ihm, sich in kurzer Zeit, ein neues Leben aufzubauen und welche Rolle spielt sein Glaube dabei? Von Magnus H.
Raum schaffen für das, was sonst untergeht: Ein Abend im Ramadan
Alle sitzen am Tisch und warten. Die untergehende Sonne bestimmt den Moment, in dem das Fasten gebrochen wird. An diesem Abend wird das Fastenbrechen für mich zu einer Erfahrung von Gemeinschaft – und zu einem Moment, in dem Verzicht eine andere Bedeutung erhält. Von Seraina Massaro
Hinter den Kulissen des Grossmünsters
Was es braucht, bevor die Orgel erklingt – ein Blick hinter die Kulissen eines Gottesdienstes mit Pfarrer Christian Walti. Von Alessia S.
Der Artikel wurde redaktionell leicht angepasst. Die Reportagen sind erstmals unter https://www.religion.ch/ erschienen.

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