Fachbeiträge

Oster-Schnitzeljagd per Natel begeistert Familien

© Mareike Sames

Franziska Siebel ist Mitglied im Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Seeheim-Malchen (D) und gestaltet seit mehreren Jahren Gottesdienste für Kinder bis 6 Jahre. Für Ostern 2020 entwickelte sie mit der Actionbound-App eine interaktive Schnitzeljagd für Familien, die grossen Anklang fand. Lesen Sie Frau Siebels Tipps zur Erstellung und Durchführung einer multimedialen Erlebnistour.

Was ist ein Actionbound?

Ein Actionbound ist im Grunde eine moderne Form einer Schnitzeljagd mit dem Natel. Beim ersten Mal muss vorgängig die Actionbound-App heruntergeladen werden. Dann kann man die vorbereiteten und veröffentlichten Bounds aussuchen (z.B. in der Nähe oder nach Stichwort), oder aber man erhält einen QR-Code, der zum betreffenden Bound führt. Jeder Bound kann auch heruntergeladen und «offline» lokal auf dem Natel oder Tablet gespeichert werden.

Moderner Osterspaziergang via App

«Während des ersten Lockdowns, wo es kaum Veranstaltungen gab, wollten wir an Ostern ein Angebot schaffen, das einen Ersatz für unseren traditionellen Osterspaziergang für Familien mit kleinen Kindern bietet» erklärt Frau Siebel. Dazu entwickelte die engagierte Kirchenvorständin eine 30-Minuten-Schnitzeljagd für Familien, die 650 m lang war. Die Rallye startete bei der Kirche und war von Karsamstag bis Pfingsten freigeschaltet. Jede Familie konnte den Weg individuell ablaufen und war zeitlich flexibel. Auch konnte das Tempo an die Bedürfnisse der Kinder angepasst werden.

Orte sicher finden

© Franziska Siebel

Bei der Schnitzeljagd hat Frau Siebel den Startort angeben: «Der Actionbound beginnt vor dem Tor zum Friedhof.» Zum Aufsuchen der nächsten Stationen gibt es verschiedene Varianten. So kann z. B. auf einer eingeblendeten Karte das Ziel markiert und der Standort markiert werden. Es können auch GPS-Daten hinterlegt werden, was aber je nach Gelände schwierig wird. Die Wegsuche kann auch per Foto begleitet werden: «Geht bergauf, bis ihr zu der auf dem Foto abgebildeten Stelle kommt.» Bei den einzelnen Etappen können auch QR-Codes aufgehängt werden, so dass erst weitergespielt werden kann, wenn der Ort erreicht und der QR-Code geöffnet wird.

Die Ostergeschichte elementarisieren

© Mareike Sames

Bei diesem Weg in Etappen wurde die Handlung von Palmsonntag bis Ostern auf das Wesentliche beschränkt und auf verschiedene Stationen aufgeteilt. Die Familien konnten den Text auf ihrem Natel lesen und auch als Audiobeitrag anhören. «Es war herausfordernd, die Ostergeschichte in einfachen Worten zu erzählen und das passend für ‚gemischtes‘ Publikum von kirchennah bis -fern» erläutert die Initiantin. Ein Beispielsatz lautet: «Jesus wurde an ein Kreuz gehängt und starb». Diese verständliche Sprache kam bei Klein und Gross gut an.

Quizaufgaben mit «Yeah-Effekt»

Bei der digitalen Schnitzeljagd integrierte Frau Siebel unterschiedliche Rätseltypen zur Geschichte und zum Osterfest.

Als Multiple-Choice-Quizfrage beim Palmsonntag durften die Kinder z. B. erraten, womit die Menschen den Weg für Jesus schmückten und wählten eine der drei Antwortmöglichkeiten aus:

  1. Kleider und Palmzweige
  2. Konfetti und Feuerwerk
  3. Bunte Luftballons

© Mareike Sames

Bei den Bilderrätseln «Was ist das?» wurde ein wichtiges Symbol aus der Geschichte wie z. B. das Kreuz abgebildet. Die Antwort «Kreuz» wurde ins Textfeld eingetragen.

Wurde ein Rätsel richtig beantwortet, gab es je 100 Punkte, was mit einem lauten Soundeffekt «Registrierkasse» und einem schriftlichen Lob belohnt wurde und die Kinder zum Weiterspielen animierte. Alle Quizaufgaben konnten zweimal wiederholt werden, so dass jedes Kind ein Erfolgserlebnis hatte. «Die Technik und die Möglichkeit zur Auswertung begeistert Kinder» führt Frau Siebel aus.

Ostereiersuche und Spiele zur Auflockerung

Das mobile Oster-Abenteuer begann mit dem Hinweis: «Liebe Eltern, lasst unterwegs immer mal ein paar Ostereier fallen.» Dazu war schon vorab auf der Einladung vermerkt, dass Ostereier mitgenommen werden sollen. So konnte die Ostereiersuche mit der Schnitzeljagd verbunden werden.

Unter dem Motto: «Wer entdeckt auf dem Weg Osterschmuck?» wurde das bekannte Kinderspiel «Ich sehe was, was du nicht siehst» umgewandelt in: «Ich sehe Osterschmuck und der hat die Farbe …». Neugierige und bewegungsaktive Kinder hatten Freude an Foto-Suchaufgaben: «Der nächste Ort sieht so aus wie auf dem Foto. Wer findet diese Treppe?»

Interaktive Ideen für zuhause und die Kirchgemeinde

© Franziska Siebel

Frau Siebel legte im Vorfeld bemalte Ostersteine auf dem Weg aus und gab folgenden Tipp für zuhause: «Vielleicht mögt ihr zu Hause einen Stein bemalen und ihn irgendwo auf einen Weg legen. Bestimmt freuen sich andere Menschen darüber.» Auch baute sie die bunten Ostersteine mit folgender Anleitung in die Schnitzeljagd ein: «Auch Steine können an Ostern erinnern: Der Stein war vor der Grabhöhle weggerollt. Halte Ausschau nach Steinen. Dabei könnt ihr auch schon langsam weitergehen. Fotografiert einen Stein, der euch gut gefällt und schickt uns das Foto.» Frau Siebel erzählt begeistert: «Das Fotografieren ist direkt in die Actionbound-App eingebaut und sehr einfach zu bedienen. Es war toll, was von den Familien eingeschickt wurde.»

Eine weitere Animation lautete: «Was macht ihr an Ostern? Habt ihr auch schon Ostereier gesucht? Und gefunden? Schreibt uns und schickt uns Fotos.» Zum Schluss der Schnitzeljagd wurde die ganze Familie kreativ: «Legt ein Osternest. Nehmt das Material was ihr in der Nähe findet. Schickt ein Foto mit dem Osternest für den Gemeindebrief zum Abdrucken.» Die eingeschickten Bilder und Texte können vielfältig verwendet werden. Z. B. im Schaukasten, auf der Webseite oder bei einer Predigt. Wichtig ist, dass die Familien darüber informiert werden, was mit den Beiträgen geschehen soll.

Auf dem Weg gab es auch wertvolle Impulse, um als Familie miteinander ins Gespräch zu kommen. Z. B. mit der Frage: «Wo habt ihr schon überall ein Kreuz gesehen? Erzählt euch gegenseitig.»

Offene Kirche als Einladung

Die letzte Station war in der Nähe der Kirche. Dort konnte die mit Egli-Figuren aufgebaute Ostergeschichte angeschaut werden. Auch hatte die Kirchengemeinde für die Kinder eine Osterüberraschung bereitgestellt. Wer wollte, konnte als Suchaufgabe das Kreuz und die Osterkerze in der Kirche finden. Wie Frau Siebel sagt, haben sich sehr viele Familien «in die Kirche locken lassen».

Wegen der positiven Kirchenwahrnehmung weitere Projekte andenken

Die evangelische Kirchengemeinde Seeheim-Malchen hat sehr viele positive Feedbacks zu dieser Oster-Outdoor-Aktion erhalten. So wurde z. B. rückgemeldet:

«Gute super Spitzenidee. Hat sehr viel Spaß gemacht.» «Danke. Der Herr ist auferstanden.» «Danke. Gerne mehr davon. Auch ohne Corona.»

Parallel erstellte Frau Siebel einen zweiten Actionbound für Familien mit älteren Kindern und Jugendlichen. Dieser war länger und anspruchsvoller und wurde auch sehr gut besucht. Die Wege und Aufgaben beider Bounds waren unterschiedlich gestaltet, so dass eine Familie auch beide Versionen spielen konnte.

Frau Siebel fasst zusammen: «Weitere Projekte dieser Art sollen folgen, weil so Kirche nach aussen positiv sichtbar wird und diese Aktion auch viele sonst eher kirchenfernere Familien angesprochen hat.» Das Geheimnis dieses Bounds lautet: Die Osterbotschaft in Bewegung und in der symbolhaften und kraftgebenden Natur erleben und als Familie wertvolle Zeit verbringen.

Kosten

Für die Anwender ist das Spielen eines Bounds immer kostenfrei. Actionbound ist werbefrei und Privatpersonen können ebenfalls ohne Bezahlung Bounds erstellen. Für die geschäftliche Nutzung fallen Gebühren an, im Bildungsbereich gibt es vergünstigte Tarife. Dabei ist die Anzahl der Teilnehmenden mitentscheidend. Der Oster-Actionbound der evangelischen Kirchengemeinde Seeheim-Malchen war Teil eines Projektes des religionspädagogischen Instituts der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, das vom EKD-Innovationsfond gefördert wurde.

Ein Actionbound lässt sich relativ einfach erstellen

Wer zum ersten Mal einen eigenen Actionbound erstellt, braucht etwas Zeit, um sich in das neue Programm einzuarbeiten. «Es ist aber relativ schnell intuitiv zu bedienen und selbsterklärend» berichtet die Kirchenvorständin. Die zur Verfügung stehenden Elemente können beliebig miteinander kombiniert und variiert werden. Frau Siebel gibt zu bedenken: «Die Erstellung war zeitintensiv, aber man hätte auch vieles einfacher halten können.» Für die Erstellung ist es auch möglich, sich Unterstützung von einer technikaffinen Person zu holen.

Actionbound wurde ursprünglich als medienpädagogisches Projekt gestartet. Inzwischen wird es in verschiedensten Branchen verwendet. Egal ob Anfänger*in oder Expert*in: Es stehen verschiedene Video-Tutorials von den Grundlagen bis hin zu den Sondereinstellungen zur Verfügung.

Eine gute Planung ist hilfreich

Frau Siebel gibt wertvolle Tipps, was man bei der Erstellung beachten sollte:

  • Thema, Zielgruppe, Ort, ungefähre Dauer planen
  • Mitwirkende suchen
  • Weg ablaufen und in Abschnitte gliedern, Zeit stoppen (Rundweg oder einfache Strecke)
  • Geschichte suchen, in kleine Abschnitte unterteilen und auf Wegabschnitte aufteilen
  • Rätsel und Aufgaben passend zur Geschichte oder zum Weg erstellen, dabei die verschiedenen Formate (Multiple Choice, Sortieren, Schätzen, Texteingabe …) nutzen
  • «Storyboard» in Tabellenform als Drehbuch mit Text, Bilder und Format erstellen und den Ablauf darin eintragen: Ort des Starts, Intro, Geschichte Teil 1, 1. Rätsel, Wegabschnitt 1, Geschichte Teil 2, 2. Rätsel, Wegabschnitt 2 …
  • Korrektur lesen lassen
  • In die App eintragen und selbst testen
  • Jemand Außenstehenden den Bound testen lassen und um ehrliches Feedback bitten

Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung eines Actionbound finden Sie hier.

© Mareike Sames

Wer hat noch bei der Oster-Schnitzeljagd in Seeheim-Malchen mitgewirkt?

Bei der Besprechung und dem Korrekturlesen des Konzeptes wirkten Pfarrer Christoph Sames und Kirsten Sames mit. Die tollen Illustrationen sind von Mareike Sames. Das Testen übernahm Frau Siebels Familie: Christoph und Kilian Stickler.

Danke an Franziska Siebel für das Good-practice-Beispiel.