Fachbeiträge

Offener Pfarrgarten als Oase für Kleinkinder und ihre Eltern

Carole Imboden arbeitet bei der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Solothurn mit dem Schwerpunkt Ehe- und Familienpastoral. Sie berichtet im Gespräch mit Christiane Burgert-Rothmaier, weshalb und wie sie vor drei Jahren den offenen Pfarrgarten für junge Familien ins Leben rief.

«In Solothurn gibt es wenig öffentliche Spielplätze, die für ganz kleine Kinder geeignet sind. Da wir in der Pfarrei St. Ursen einen sehr schönen Garten haben, der mit seiner schützenden Aussenmauer auch noch sehr kleinkindfreundlich ist, brachte mich das auf die Idee vom offenen Pfarrgarten.

Zunächst startete ich von April bis September. Das lief gut an. Auf Wunsch der Besuchenden bauten wir das Angebot aus. Inzwischen ist unser Pfarrgarten oder wetterbedingt unser Pfarrhaus ganzjährig jeweils am Dienstagnachmittag von 14.30 bis 17.00 Uhr für Kinder von 0-3 Jahren und deren Bezugspersonen geöffnet. Lediglich an Feiertagen haben wir geschlossen. So wurde aus dem anfänglichen Sommerprojekt ein niederschwelliges Ganzjahresangebot. Die Familien kommen, wann sie wollen und bleiben so lange, wie es für sie passt. Es gibt also keinen gemeinsamen Start oder Schlusspunkt. Diese Flexibilität kommt gut an. Es ist den Familien freigestellt, ob sie einmalig oder regelmässig kommen.

Als feste Ansprechperson bin ich immer anwesend. Der Dienstagnachmittag im Pfarrgarten und die dazugehörigen Vor- und Nachbereitungen sind Teil meiner Arbeitszeit. Hierdurch gibt es eine grosse Verlässlichkeit. Wenn ich in den Ferien bin, übernimmt eine der Mütter und auf alle Fälle schaut dann auch jemand aus unserem Team vorbei. Ich bin die grosse Konstante, wodurch Beziehungsaufbau möglich wird. Das beginnt bei der freundlichen Begrüssung und Vernetzung untereinander, was vor allem Neuen und Einzelgängern den Einstieg erleichtert.

Während des Treffs tausche ich mit den Eltern darüber aus, was sie aktuell beschäftigt. Immer wieder bringen sie dabei auch religiöse Themen wie z. B. Taufe oder Tod zur Sprache. Wenn die Bezugspersonen das von sich aus ansprechen, greife ich das gerne auf. Ich zwinge das aber nicht von mir aus auf. Wir wollen für junge Familien eine positive Begegnung mit der Kirche ermöglichen. Es ist klar deklariert, dass der offene Pfarrgarten ein Angebot unserer Pfarreien ist. Ich stelle eine Infowand auf, die auf unsere Pfarrei-Familienangebote aufmerksam macht.

Der offene Pfarrgarten bietet jungen Müttern und Vätern die Gelegenheit, Gleichgesinnte zu finden und sich ohne Konsumationspflicht zu treffen. Wir offerieren kostenlos Kaffee und Tee. Der Pfarrgarten ist ein Ort, wo kleine Kinder willkommen sind, was nicht überall der Fall ist und wo auf die Bedürfnisse der Kinder Rücksicht genommen wird. Es gibt Spielsachen für kleine Kinder und einen Sandkasten. Die Verantwortung für die Kinder und deren Betreuung liegt bei den Eltern.

Zu Beginn habe ich viel Zeit in das Thema Werbung investiert. Ich habe Flyer an Orten verteilt, wo sich junge Familien aufhalten und bei unseren Pfarreianlässen darauf aufmerksam gemacht. Daneben machen die Eltern in ihrem Umfeld Werbung und bringen neue Familien mit. Das Thema Werbung ist für mich immer aktuell, weil die Kinder rauswachsen und dann wegbleiben. Wenn ich beobachte, dass sich feste Cliquen bilden, thematisiere ich, dass jederzeit neue Familien willkommen sind. Das zähle ich auch zu meinen Aufgaben, den Treff bewusst offen zu halten.

Was die Kosten betrifft, ist mein Lohn der grösste Posten, der von der Kirchgemeinde übernommen wird. Daneben kommen sie für die Infrastruktur, Getränke, Spielsachen und Werbung auf. Beim offenen Pfarrgarten gilt: Wer in Kinder und Familien investiert, investiert in die Zukunft.»

Nähere Infos zum offenen Pfarrgarten können bei Carole Imboden erfragt werden.

Danke an Carole Imboden für das engagierte Erzählen vom offenen Pfarrgarten!