Fachbeiträge

Katechese mit Kindern im Vorschulalter (Zyklus 0)

© Melanie Wakefield

Nichts prägt das Selbst- und Weltbild des Menschen mehr als die ersten Lebensjahre. In dieser Zeit entstehen in Begegnung mit der Umwelt unzählige Verschaltungen im Gehirn. Ausbleibende Impulse hingegen führen dazu, dass eigentlich vorhandenes Potential nicht entfaltet, ja sogar zurückgebaut wird. Ob und wie kleine Kinder in Beziehung zur Welt treten, hängt insbesondere von den sie begleitenden Bezugspersonen ab. Selbst biologische und psychologische Entwicklungsfaktoren werden durch das soziale Netzwerk beeinflusst.

Leben im Miteinander

Wo Babys und Kleinkinder sind, ist eine erwachsene oder zumindest deutlich ältere Bezugsperson nicht weit. In keiner anderen Lebensphase ist das Miteinander mit älteren Generationen alltäglicher. In keiner anderen Lebensphase sind wir so direkt betroffen durch die Lebensumstände und -entscheidungen anderer Menschen. Die Lebenswelt im Zyklus 0 ist daher immer Lebenswelt der Familien, in denen Kinder dieser Altersgruppe leben.

Was uns Statistiken sagen

Obwohl die Heterogenität der Familienformen und deren gesellschaftliche Akzeptanz in der Schweiz zunimmt, wächst eine Mehrheit der Kinder im Vorschulalter im gemeinsamen Haushalt mit seinen leiblichen Eltern auf (detaillierte Zahlen bieten die regelmässigen Statistiken des BFS). Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind die Eltern zudem häufiger verheiratet. In den meisten dieser Haushalte ist der Vater Vollzeit erwerbstätig, die Mutter hingegen Teilzeit. Immer noch rund ein Vierter der Mütter mit Kleinkind sind nicht erwerbstätig. Ein grosser Teil der Bevölkerung denkt denn auch, dass ein Kind im Vorschulalter darunter leidet, wenn die Mutter erwerbstätig ist. Bei religiösen Menschen ist dieser Anteil nochmals markant höher. Auch wenn das Engagement der Väter insbesondere im Bereich Kinderbetreuung zunimmt, leisten Mütter immer noch einen grösseren Anteil an Haushalt und Kinderversorgung. Die zeitliche Belastung für diese Aufgaben ist dabei bei Eltern mit Kindern vor dem Schuleintritt am grössten. Ihnen bleibt im Schnitt am wenigsten Freizeit im Vergleich zu allen anderen Lebensphasen. Neben den eigenen Eltern gehört die Betreuung der Kinder durch andere – verwandte oder nicht-verwandte – Bezugspersonen zum Alltag vieler Familien. Insbesondere die Grosseltern leisten einen grossen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sprachlich und kulturell sind Kinder vor dem Schuleintritt geprägt durch die Familienwelt. Entsprechend erlernt eine grosse Zahl an Kindern die deutsche Sprache erst mit dem Eintritt in den Kindergarten. Will man mit ihnen in Beziehung treten, erfordert dies besonderes Augenmerk.

Lernen im Alltag

Vom ersten Tag unseres Lebens an lernen wir. Wir lernen in alltäglichen Situationen, in der Fachsprache «informelles Lernen» genannt. Drei Spielformen prägen sich bis zum Schuleintritt aus, anhand derer Lernen sichtbar wird: das Rollenspiel, das Funktionsspiel und das werkschaffende Spiel. Alle diese Formen zeichnen sich dadurch aus, dass die Kinder entdeckend und gestalterisch ihre Begegnungen mit der Umwelt ausdrücken und verarbeiten. Basis dieser aktiven Welterkundung sind Bezugspersonen, die achtsam mit den kindlichen Grundbedürfnissen nach Zugehörigkeit einerseits und Autonomie andererseits umgehen und es in seiner Selbstwirksamkeit positiv bestärken.

Nährboden für den Glauben

Wer Menschen einen guten Nährboden für einen lebenslangen Glaubensweg bereiten möchte, benötigt keine religiöse Frühförderung in speziellen Kursen, keine Inhalte und Fachbegriffe, die zu erlernen sind. Was es braucht, ist eine Atmosphäre, in der Kinder und ihre Bezugspersonen willkommen sind. Nicht als stille Zuschauerinnen und Zuschauer, sondern als hör- und sichtbarer Teil der Gemeinschaft. Menschen, die das aktive Erkunden der Kinder im religiösen Raum ermutigend begleiten und nicht vorschnell unterbinden. Begegnungen, in denen Kinder und ihre Familien Zugehörigkeit erfahren, die ihnen Mut gibt, den eigenen Weg zu gehen. Wer sich aufmacht mit Kindern den Zauber der Schöpfung neu zu entdecken, erweckt manche Glaubensquelle zu neuem Leben.

Melanie Wakefield arbeitet als Pastoralassistentin in der Pfarrei Maria Lourdes Zürich Seebach. CC BY-NC-SA 3.0  Melanie Wakefield | reli.ch
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