Fachbeiträge

Jungwacht Blauring (Jubla): «Lebensfreu(n)de» als Teil der Kirche und Chance für’s Pfarreileben

In 420 Pfarreien ist die Jubla präsent. Die Einbindung ins Pfarreileben ist dabei lokal sehr unterschiedlich. Nicht selten taucht die nostalgiegefärbte Frage auf, wie kirchlich denn die konfessionell allen offenstehenden Jubla (noch) sei. Wer genau hinsieht, erkennt: Eine bewusste Gestaltung der Beziehung zwischen Jubla-Schar und Pfarrei eröffnet grosse Chancen – indem der wachsende Kinder- und Jugendverband zum wertvollen Jungbrunnen werden kann.

Was ist die Jubla?

Jungwacht Blauring ist mit rund 32’000 Mitgliedern (Stand 2020, Tendenz steigend) der grösste katholische Kinder- und Jugendverband der Schweiz. In 420 Ortsgruppen (Scharen) engagieren sich über 9’000 ehrenamtliche Jugendliche und junge Erwachsene als Leitungspersonen mit dem Ziel, Kindern sinnvolle Freizeitgestaltung zu ermöglichen. Diese besteht in Aktivitäten wie z.B. Gruppenstunden, Scharanlässen oder Lagern.

Ein mehrstufiges Aus- und Weiterbildungswesen, sowie ein Netzwerk von Begleitpersonen auf lokaler, kantonaler und nationaler Ebene stärken die Leitenden in ihrer Aufgabe, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen.

Wofür steht die Jubla?

Das Leitbild der Jubla basiert auf fünf «Grundsätzen»:

  • zusammen sein
  • mitbestimmen
  • Glauben leben
  • kreativ sein
  • Natur erleben

Diese Grundsätze werden im Jubla-Alltag praxisorientiert umgesetzt, indem sich Aktivitäten, Kultur und Struktur daran orientieren. Wie der Slogan «Lebensfreu(n)de» zuspitzt, steht dabei nicht Leistungsorientierung im Vordergrund, sondern individuelle und soziale Entfaltung, sowie die informelle Förderung ganzheitlicher Persönlichkeitsentwicklung.

Dazu kommen Haltungspapiere zu kinder- und jugendrelevanten Themen:

  • Umgang mit Suchtmittel
  • Öffnung und Integration
  • Glauben und Kirche
  • Grenzverletzung und sexuelle Ausbeutung
  • Gender
  • Kinder- und Jugendpolitik
  • Rassismus und Extremismus
  • (geplant ab 2021: Nachhaltige Entwicklung)

Die Jubla steht für ehrenamtliches Engagement und Selbstverantwortung, zumal die Leitungsfunktion bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst liegt. Diese Selbstwirksamkeitserfahrung ist ein wertvolles Lernfeld und vermutlich das wichtigste Erfolgsrezept des vitalen Verbandes.

Dabei werden Kinder und Jugendliche nicht alleine gelassen, sondern durch verschiedene Personen begleitet, wie z.B. Präsides, die sie in ihrem Tun unterstützen, als Brückenfunktion zu den Pfarreien agieren und als Ansprechpersonen in spirituellen und allgemeinen Lebensfragen zur Seite stehen.

Ist Jubla (noch) Kirche?

Ja. Die Jubla versteht sich als wertvoller Teil der Kirche – und das nicht nur aus ihrer historischen Entstehung heraus, sondern auch in der Gegenwart (vgl. Grafik «Was ist Kirche?»):

  • Die Jubla trägt mit ihrem Angebot einer sozial orientierten sinnvollen Freizeitbeschäftigung kirchliche Grundfunktionen mit:
    • Gemeinschaftsbildung (Koinonia)
    • Dienstes an der / am Nächsten (Diakonia)

Im weiteren Sinne gilt dies auch für:

  • Verkündigung (Martyria) durch das (Vor-)leben christlich begründbarer Werte und Menschenbilder (vgl. Grafik «Jubla-Werte»)
  • (vielerorts) gottesdienstliches Feiern (Liturgia)

Hier gilt es jedoch einschränkend zu sagen, dass Glaubensverkündigung und gottesdienstliches Feiern im engeren Sinne nicht zu den Kernaufgaben der Jubla gehören (vgl. Haltungspapier Glauben und Kirche, sowie schub.glaubenleben Kap. 1).

  • Die Jubla mit ihrer ganzheitlich orientierten Förderung ist als «Dienst der Kirche an der Jugend» zu verstehen, vergleichbar mit dem Dienst der Kirche an den alten oder randständigen Menschen – unabhängig von deren Religionszugehörigkeit oder Glaubensüberzeugung.
  • Teil der ganzheitlichen Persönlichkeitsförderung ist u.A. die Entwicklung einer eigenen, selbstverantworteten und reflektierten Spiritualität. Hauptwerkzeug dafür sind die vielfältigen Methoden spiritueller Animation mit ihren drei Schwerpunkten (vgl. dazu Grafik «Wimmelbild Glauben leben in der Jubla»):
    • Besondere Momente teilen
    • Raum für grosse Fragen des Lebens schaffen
    • Engagement für Werte

Es ist dabei klar, dass spirituelle Animation nicht im luftleeren Raum stattfinden kann, sondern sich an den Situationen, Traditionen und Personenzusammensetzung vor Ort orientiert (vgl. dazu schub.glaubenleben Kap.2)

  • Auch strukturell besteht eine starke Verbindung zwischen Jubla und der kath. Kirche (vgl. Grafik «Strukturen Jubla und Kirche»): Die Scharen sind fast ausnahmslos an (ehem.) Pfarreigebieten orientiert und die Jubla wird auf all ihren Ebenen (lokal, kantonal, national) von staatskirchenrechtl. Körperschaften unterstützt (finanziell, Räumlichkeiten und Anstellung des/r Präses als Begleitperson). Diese kirchliche Unterstützung ist für viele nichtpraktizierende, distanzierte Kirchenmitglieder mit ein Grund für ihren Nichtaustritt.

Mitgestaltung des Pfarreilebens durch die Jubla

Wenn Jubla Teil der Kirche ist (s.o.), dann ist die einzelne Jubla-Schar inhaltlich und strukturell Teil der Pfarrei. Die Tiefe dieser Verbindung differiert lokal stark und kann sich je nach beteiligten Personen und gemachten Erfahrungen schnell verändern.

Die gesamtgesellschaftliche Säkularisierungstendenz hat ihren Einfluss auf die öffentliche kirchliche Präsenz sowie die individuelle Identifikation mit Kirche  – und damit auch auf die Verbindung zwischen Schar und Pfarrei. Umso wichtiger ist es, diese Beziehung bewusst zu pflegen durch:

  • Direktkontakt zwischen Jubla- und Pfarreiverantwortlichen sowie Kirchenbehörden (z.B. jährl. Erwartungsklärung, Infoaustausch, gegens. Teilnahme an Anlässen)
  • Klare Ansprechpersonen Pfarrei/Kirchenbehörde/Schar
  • Präses als Vermittlungs- und Koordinationsperson
  • Gegenseitige Wertschätzung und Begegnung auf Augenhöhe
  • Gemeinsame Projekte

Mit diesen Voraussetzungen kann es gelingen, dass die Jubla von aussen als kirchliche Kinder- und Jugendarbeit wahrgenommen wird und sich selbst als Teil des Pfarreilebens versteht. Davon können beide Seiten profitieren, Netzwerke und (Generationen-)Projekte entstehen und das Potenzial der «Jugend als Jungbrunnen» genutzt werden.

Wo liegen die Schnittstellen zwischen Religionsunterricht (RU) und Jubla?

Religionsunterricht und Jubla können sich gegenseitig bereichern. Voraussetzung dafür ist eine klare Abgrenzung der Rahmenbedingungen und Aufgabenfelder:

  • RU als Katechese/Verkündigung gemäss Lehrplan / verpflichtend
  • Jubla als verbandliche kirchl. Jugendarbeit / freiwillig

Diese Abgrenzung ist besonders anspruchsvoll, wenn dieselbe Pfarreianstellung beide Bereiche umfasst:

  • Katechet*in: Glaubens- und Wissensvermittlung / Leitungsrolle
  • Jubla-Präses: Beraten&Begleiten, Vernetzung&Lobby, spirituelle Animation / Begleitrolle

Wenn diese Differenzierung gelingt, bieten sich viele Kooperations-Chancen, z.B. indem im RU für die Jubla geworben werden kann oder Erfahrungen aus dem Jubla-Leben im RU reflektiert werden. Voraussetzung dafür ist eine gute Beziehung zwischen Jubla-Mitgliedern und Präses/Katechet*in. Diese kann ausserdem für Firm-Projekte, sowie Projekte der offenen kirchl. Jugendarbeit wertvoll sein.

Literatur und Links

 

Valentin Beck ist Bundespräses Jungwacht Blauring Schweiz valentin.beck@jubla.ch / 041 419 47 47 jubla.ch - instagram - facebook instagram-highlights   CC BY-NC-SA 3.0 Valentin Beck | reli.ch
Kompetenz: 2D-2