Fachbeiträge

Ein Begegnungsort für Kleinkinder und ihre Bezugspersonen

Die Sozialpädagogin und Figurenspieltherapeutin Manuela Touvet arbeitet mit dem Schwerpunkt Eltern-Kind Arbeit seit einigen Jahren in der Pfarrei St. Marien in Bern. Mit viel Begeisterung leitet sie den Eltern-Kind-Treff der Pfarrei. Dieser wurde bereits 1998 von Müttern gegründet. Was mit grossem Engagement von Freiwilligen begann, ist jetzt schon seit vielen Jahren in professionellen Händen. Hierdurch sind Kontinuität und Verlässlichkeit gewährleistet. Es können Beziehungen zu jungen Familien aufgebaut und gepflegt werden. Dieser Beitrag berichtet von diesem Beispiel gelungener Katechese für Kleinkinder und deren Familien.

Der Eltern-Kind-Treff ist offen für junge Familien ab Geburt bis zum Kindergartenalter des Kindes. Früher startete der Treff ab 2 Jahren. Aus Sicht der Familien hat sich die Öffnung ab Geburt bewährt. In dieser neuen Lebensphase besteht häufig ein grosser Wunsch nach Kontakten mit Gleichgesinnten.

Die Räume des Eltern-Kind-Treffs sind hell und kinderfreundlich gestaltet. Sie befinden sich im Pfarrhaus und haben einen separaten Eingang. Es kann alles stehen bleiben. Eine Küche kann mitbenutzt werden.

Das Modell Eltern-Kind-Treff wird in der Pfarrei St. Marien in zwei unterschiedlichen Varianten angeboten. Jeden Dienstag und Mittwoch stehen die Türen von 9 bis 12 Uhr für junge Familien offen. Wie bei einem Spielplatz verabreden sich die Eltern und organisieren sich selbst. Während die Kinder spielen, können sich die Bezugspersonen austauschen und Kaffee trinken. Das Angebot wird gut angenommen und selbst das eigenständige Aufräumen klappt gut. Für das Pfarreiteam ist das ein bewusstes Zeichen gelebter Gastfreundschaft. Frau Touvet ist zu dieser Zeit im Büro. Wenn es sich ergibt, schaut sie kurz vorbei und signalisiert: Ihr seid bei uns willkommen!

© Christiane Burgert-Rothmaier

Jeden Freitag gibt es den von Frau Touvet geleiteten Eltern-Kind-Treff als offenes Angebot ohne Anmeldung. Dies bedeutet, dass sich die Gruppe immer wieder neu zusammensetzt und eine andere Dynamik entsteht. Da kann es dann auch schon mal laut und voll sein. Dennoch überwiegen die Vorteile. Es ist jederzeit ein Einstieg möglich und eine Warteliste gibt es nicht. Die Eltern sind flexibel, was sehr geschätzt wird. Im Durchschnitt kommen 20 bis 30 Kinder und Erwachsene. Meist gibt es eine Kerngruppe, die regelmässig da ist. Andere nutzen das Angebot sporadisch oder schauen einmalig vorbei. Die langjährige Erfahrung von Frau Touvet zeigt, dass die Teilnehmendenzahl sich etwa einpendelt. Familien bleiben weg, weil die Kinder grösser werden und neue Familien kommen dazu. Als Grundhaltung gilt für Frau Touvet: Nehmen, wie es kommt und improvisieren als Stärke.

Der geleitete Eltern-Kind-Treff startet um 9 Uhr. Es bleibt Zeit, um anzukommen und sich auszutauschen. Um 9.30 Uhr gibt es ein Willkommensritual mit einem Guten-Morgen-Lied.

Eine Stoffschildkröte (das Maskottchen des Eltern-Kind-Treffs) begrüsst die Gäste. Sind viele neue Gesichter da, folgt eine Namensrunde.

© Christiane Burgert-Rothmaier

Im Anschluss gibt es ein freiwilliges Bastelangebot. Wenn es passt, wird dabei Bezug zum Jahreskreis genommen. Beim Gestalten können Kind und Begleitperson die Freude am gemeinsamen Kreativsein teilen. Die Kinder erleben sich selbstwirksam. Die Begleitpersonen erhalten Anregungen, wie aus günstigen Verbrauchsmaterialien «Schätze» entstehen können. Die Kunstwerke werden vor Ort aufgehängt oder mit nach Hause genommen. Vor allem ganz kleine Kinder spielen in dieser Zeit, so dass manchmal die Eltern alleine oder gar nicht gestalten.

Um ca. 10 Uhr gibt es ein einfaches Znüni mit Zopf, Früchten, Kaffee und Sirup. Alle sitzen gemeinsam an einem grossen Tisch. Es wird gelacht und geschmatzt. Die Begleitpersonen teilen ihr Know How zu Erziehung und Alltag mit Kindern. Es entstehen neue Kontakte und Freundschaften. Die Eltern vernetzen sich mit Menschen, die in einer ähnlichen Lebensphase stehen. Frau Touvet ist da – ohne sich aufzudrängen. Sind die Kinder früher fertig oder wollen gar nichts essen, gehen sie spielen und toben. Hierfür steht genügend Platz zur Verfügung.

© Christiane Burgert-Rothmaier

Um 10.30 Uhr gibt es Sing- und Tanzspiele für alle. Zu Beginn ertönt immer das gleiche Lied. Dieses Ritual lieben die Kinder und eilen herbei. Es gibt Evergreens wie «Häschen in der Grube» und neue Lieder. Die Kinder dürfen Liedwünsche äussern und geniessen das Tanzen und sich bewegen. Dabei wird zwischen a cappella und Liedbegleitung ab CD gewechselt. Im Repertoire sind bewusst hauptsächlich Mundartlieder, so dass Klein und Gross Schweizer Kinderlieder spielerisch kennenlernen. Familien mit anderen Sprachwurzeln schätzen diese spielerische Sprachförderung. Alle lernen voneinander und lachen miteinander, wenn schwierige Worte ausgesprochen und in andere Sprachen übersetzt werden. Halbjährlich gibt es ein Liederbuch-Basteln, damit die Songs auch zuhause gesungen werden können. Das wird sehr geschätzt. Um 11 Uhr folgt das Abschlusslied mit gemeinsamem Aufräumen und Abwaschen. Dabei helfen alle mit.

Der Eltern-Kind-Treff ist ein Ort der Begegnung und Treffpunkt für Menschen unterschiedlicher Kulturen und Weltanschauungen. Meist sind es Mütter, welche die Kinder begleiten. Es kommen aber auch Väter, Grosseltern und Nannys. Manchmal spannen auch zwei Freundinnen zusammen. Während die eine mit den Kindern am Treff teilnimmt, hat die andere frei. Dann wird gewechselt.

Während den Schulferien gibt es keinen Treff. Dann hat Frau Touvet zeitliche Ressourcen für andere Aufgaben und Projekte. Zudem kann sie dann selbst Ferien nehmen. Sie erlebt es immer wieder, wie sehr sich die Familien freuen, wenn es nach einer Ferienpause wieder mit dem Treff losgeht.

© Christiane Burgert-Rothmaier

Durch die feste Struktur ist der Vorbereitungsaufwand des Treffs überschaubar. Frau Touvet leitet den Treff alleine. Das ganze Team unterstützt die Idee und steht bei Schwierigkeiten zur Seite. Ein solch guter Teamgeist trägt zum Gelingen der Familienarbeit bei.

Der Besuch des Eltern-Kind-Treffs ist für die Familien kostenlos. Die Pfarrei trägt die Personalkosten für die Leitung des Kindertreffs. Sie stellt ein Budget für Kinder- und Familienarbeit zur Verfügung. Hierüber werden Znüni und Verbrauchsmaterialien abgerechnet. Gut erhaltene Spielsachen besorgt Frau Touvet auch mal in der Brocki und kann die Kosten so tief halten.

Im Quartier gibt es viele Familien. Frau Touvet ist gut vernetzt und tauscht sich mit anderen Playern im Kleinkind- und Familienbereich aus. Es ist ein gutes Miteinander zum Wohl junger Familien. Beim Treff gibt es eine Magnetwand, wo sich Eltern über Anlässe in der Pfarrei und dem Quartier informieren können. Wer nähere Informationen will, kann sich bei Manuela Touvet per Mail melden.

Danke an Manuela Touvet für das Good-practice-Beispiel aus der Pfarrei St. Marien in Bern.

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe von Good-Practice-Beispielen für Familien mit Kindern von Geburt bis Ende Kindergartenzeit. Bisher sind folgende Artikel erschienen:

Das Gespräch führte Christiane Burgert-Rothmaier von der Fachstelle Katechese –Medien in Aarau. CC BY-NC-SA 3.0 Christiane Burgert | reli.ch
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