Fachbeiträge

Disziplin und Unterrichtskultur (1. Teil)

Dietrich Schneider / pixelio.de

In ruhiger Atmosphäre Kinder oder Jugendliche zu unterrichten, ist als Lehrpersonen wohl auch Ihr Wunsch. Sie haben darauf grossen Einfluss, wieweit dies gelingt. Im Folgenden stelle ich Ihnen Handlungsfelder vor, die für die Disziplin bedeutsam sind und die Sie als Einzelperson und als Team beeinflussen können.

Disziplin ist ein mitentscheidender Faktor, ob im Unterricht Lernfortschritte erzielt werden. Disziplin meint hier mehr als Ein- oder Unterordnung. Sie ist eine Kompetenz, welche in verschiedenen Berei­chen angeeignet werden kann: Als Sozialkompetenz in der Regelung der Unterrichtsorganisation, des gemeinsamen Zusammenlebens und Lernens und als Selbstkompetenz in der Umsetzung der Selbst­disziplin.

Karin Frey hat in ihrem Buch ‚Disziplin und Schulkultur. Akteure, Handlungsfelder, Erfolgsfaktoren‘ in der Reihe ‚Impulse zur Schulentwicklung‘ das Disziplinen-Pentagramm entwickelt. Sie zeigt auf, dass fünf Faktoren die Disziplin mitbestimmen.

Pentagramm

Ihre Überlegungen sind nicht nur für die Volksschule, sondern auch für den Religionsunterricht von Bedeutung. Einerseits bietet Karin Frey ein Instrumentarium, um den Unterricht zu analysieren, an­dererseits macht sie auf Verbesserungspotenzial in fünf Bereichen aufmerksam, um den Unterricht zu optimieren, damit Unterrichtsstörungen minimiert werden.

In diesem ersten Teil beschreibe ich die beiden ersten Handlungsfelder, welche von den einzelnen Lehrpersonen bestimmt werden und mithelfen können, dass mit motivierten Kindern ein geordneter Unterricht in guter Atmosphäre durchgeführt werden kann. In einer Fortsetzung im Mai werde ich die drei weiteren Handlungsfelder, welche im Verantwortungs- und Gestaltungsbereich des Kate­chese-Teams liegen, umschreiben.

Unterrichtsgestaltung, Klassenführung

Wenn Sie die Kriterien für guten Unterricht, wie diese beispielsweise in der Monographie von Hilbert Meyer vorgestellt werden, berücksichtigen, ist dies bereits eine wesentliche präven­tive Massnahme gegen Unterrichtsstörungen.

Adressatengerechte Stoffauswahl, Einbezug der Lernenden und deren Voraussetzungen und eine reichhaltige Methodenkompetenz sollen ein Klima des Vertrauens schaffen. Das soziale Zusammen­leben muss beachten werden und geregelt sein. Ein klares Regelsystem, definierte Freiräume, Kon­sequenzen bei Regelverstössen schaffen die notwendige Transparenz, damit allen Beteiligten klar ist, was im Unterricht gilt. So können die Lernenden auf Grenzauslotung verzichten. Versuchen Sie, Stö­rungen möglichst früh zu erkennen und sofort anzusprechen. Im Gespräch im Klassenverband, in kleinen Gruppen mit den Involvierten oder unter vier Augen können Sie klären, wie die Situation verbessert werden kann.

Wenn sich Ihre Schülerinnen und Schüler ernst genommen fühlen, haben sie weniger Grund, sich mit störendem Verhalten zu melden. Eine hohe Schülerorientierung (Partizipation, individuelle För­derung) und eine Auswahl von Inhalten mit erkennbarem Bezug zum Alltag der Lernenden tragen zu einem ruhigen Unterrichtsgeschehen bei.

Lehrpersonen benötigen Diagnose-, Kommunikations- und Strukturierungskompetenz, um die Anfor­derungen dieses Handlungsfeldes zu meistern.

Um eine gute Klassenführung und Unterrichtsgestaltung zu fördern, ist es notwendig, dass Sie fol­gende Punkte geklärt haben:

  • Welche Regeln sind einzuhalten? Welche Freiräume stehen zur Verfügung?
  • Wie werden Regelverstösse geahndet?
  • Wie werden die Anliegen der Lernenden berücksichtigt und ihre Lebenswelt mit den neuen The­men vernetzt?
  • Wie kann ich die Lernenden individuell fördern?
  • Wie verwirkliche ich guten Unterricht und eigne mir eine breite Methodenkompetenz an?

Rollen, Interaktionen, Beziehungen

Die individuelle Interpretation der Lehrerinnen/Lehrer-Rolle hat Auswirkungen auf die Beziehung Lehrperson-Lernende. Ob Sie sich als reine Wissensvermittlerin und Erzieherin oder als Lerncoach und als Person, welche am Lernenden interessiert ist, verstehen, spielt eine entscheidende Rolle beim Beziehungsaufbau.

Lehrpersonen, die ihren Schülerinnen und Schülern etwas zutrauen und ihnen Selbstverantwortung übertragen, ohne sie dabei zu überfordern, werden zu Vertrauenspersonen, welche nicht mit Störak­tionen bekämpft werden müssen.

Ganz entscheidend für das ganze Klassengefüge ist die Beziehung der Lehrpersonen zu den ‚Prob­lemschülern‘. Wenn es Ihnen gelingt, für deren von der Norm abweichenden Verhaltensweisen Ver­ständnis zu entwickeln, miteinander in kleinen Schritten die Mängel zu beheben und in möglichst entspannter Atmosphäre den alltäglichen Umgang zu pflegen, ist die Gefahr für kräfteraubende Kon­flikte vermindert.

Um als gute Lehrperson wirken zu können, empfehle ich folgende Aspekte periodisch zu überdenken:

  • Wie fülle ich meine Rolle als Lehrperson möglichst gut aus, damit die Balance zwischen Nähe und Distanz stimmt?
  • Wie pflege ich die Beziehungen zu den Lernenden?
  • Wie organisiere und gestalte ich die Beziehungen zwischen den Lernenden?
  • Welche individuellen Eigenheiten der Kinder muss ich akzeptieren und auf diese eingehen?
  • Wie finde ich einen unverkrampften Zugang zu den Problemkindern?
  • Welche Bedeutung haben die Kinder für mich als Menschen, die morgen die Gegenwart und Zu­kunft gestalten?

Noch Fragen?!

Was ist Ihnen bei der Gestaltung Ihrer Rolle wichtig? Was bewährt sich bei der Klassenführung? Haben Sie Fragen an den Autor, oder Anliegen, was beim kommenden Beitrag berücksichtigt werden sollte? Diskutieren Sie mit und bringen Sie sich ein.

Den zweiten Teil des Blogbeitrages finden Sie hier.

Literatur

Frey, Karin: Disziplin und Schulkultur. Handlungsfelder, Akteure, Erfolgsfaktoren, Bern/Aarau 2010.

Meyer, Hilbert: Was ist guter Unterricht?, Berlin 2004.

 

Gregor Schwander ist Dozent für Didaktik und Methodik am RPIan der Universität Luzern. Für das Netzwerk Katechese hat er bei der Erarbeitung des Buchs „Mit Eltern zusammenarbeiten in Gemeindekatechese und Unterricht“ mitgewirkt (Rex-Verlag, Luzern 2013).
Kompetenz:
Leitsatz 312