Einladung zum BIBELWERKEN
Das Religionspädagogische Institut Luzern hat zusammen mit dem Schweizerischen Katholischen Bibelwerk den Wettbewerb «bibelwerken» lanciert. Veronika Bachmann erläutert, worum es dabei geht und wie Sie mitmachen können.
Es gehört nicht zum kirchlichen Jahreszyklus, aber doch zu einem grösseren, mehr oder minder regelmässigen Zyklus, dass religiöse Schriften überarbeitet werden. So erschienen letztes Jahr im deutschsprachigen Raum gleich zwei Bibelrevisionen, eine neue Lutherbibel und die erste Revision der Einheitsübersetzung. Die Kehrseite solcher neuen Übersetzungen: Bisherige Bibeln werden ersetzt und ausrangiert. Diesen ausrangierten Bibeln widmet sich der Wettbewerb «bibelwerken», den das Religionspädagogische Institut (RPI) Luzernzusammen mit dem Schweizerischen Katholischen Bibelwerk (SKB)lanciert hat. Einzelpersonen und Gruppen sind eingeladen, Ideen zu entwickeln, was mit diesen Bibeln konstruktiv gemacht werden kann. «Transformieren statt ausrangieren» heisst das Motto. Vielleicht sind auch Sie mit einem Projekt mit dabei?
Ausrangierte «Heilige Schrift»?
Wann ist ein Text so besonders, dass er nicht einfach wie Zeitungspapier im Altpapier entsorgt werden kann, wenn man ihn nicht mehr braucht? Welche Sorgfalt erfordert der Umgang mit Bibeltexten? Kann Bibeltext überhaupt «überholt» sein? All dies sind Fragen, auf die es im Christentum keine eindeutigen Antworten gibt. Zumindest was die materielle Seite von religiösen Texten angeht, kennen Religionen wie das Judentum und der Islam klarere Leitlinien. So ist es Brauch, liturgische Texte, Tora- oder Korantexte, die fehlerhaft sind oder nicht mehr gebraucht werden, in einem abgeschlossenen Raum zu lagern – im Judentum nennt man einen solchen Raum Genisa – oder sie zu bestatten. Religiöse Ehrfurcht gebührt, das ist in diesen Religionen selbstverständlich, auch dem konkreten Textmaterial.
Durch Werken etwas bewirken
Sich gerade auch in einem interreligiösen Kontext Gedanken zur eigenen religiösen Tradition zu machen, eigene Traditionen, Wertvorstellungen und Bräuche mit denen anderer Menschen und Religionsgemeinschaften ins Gespräch zu bringen, dazu soll der Wettbewerb unter anderem anregen. Was macht die Heiligkeit einer Schrift aus? Welchen Stellenwert dürfen oder sollen so genannte «Heilige Schriften» in unserer Gesellschaft haben? Auch die Neugier für solche grossen Fragen möchte «bibelwerken» wecken.
Der Wettbewerb ist als partizipatives Projekt konzipiert. Bewusst soll er schulisch oder ausserschulisch, in der Gemeindekatechese oder davon gänzlich losgelöst, für Einzelpersonen oder Gruppen die Möglichkeit bieten, Traditionsbildung aktiv mitzugestalten. Um die theologische Kreativität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wertzuschätzen, gehört zu «bibelwerken» wesentlich mit dazu, die Resultate am Ende in ihrer Vielfalt öffentlich zu machen. Alle eingereichten Projekte werden auf der Wettbewerbshomepage vorgestellt werden. Eine unabhängige Jury wird drei Projekte prämieren. Und wer weiss, vielleicht entwickelt sich daraus mehr.
Mit zwölf Bibeln kann es losgehen
Wie können Sie mitmachen? Natürlich können Sie Ihre eigene Idee umsetzen, aber auch versuchen, Gruppen wie etwa Schulklassen oder Firmgruppen zu animieren, Ideen zu entwickeln. Vielleicht ergibt es sich, dass als Pfarrei- oder Schulteam überlegt wird, wer Lust zum Mitmachen hat? Eine ganz praktische Frage wird sein, wo ausrangierte Bibeln zu finden sind. Mindestens zwölf Bibeln müssen pro Projekt im Spiel sein. Auch da kann sich ein Blick aus institutioneller Perspektive lohnen: Wo stellt die Pfarrei oder die Schule eigentlich welche Bibeln zur Verfügung? Welche sind in Gebrauch, wo gibt es allenfalls Depotschränke, die schon fast an eine Genisa erinnern? Spätestens dann kann es mit dem Entwickeln von Ideen losgehen. Details zur Projekteingabe bietet die Wettbewerbshomepage. Wichtig ist, dass alle, die mitmachen, ihrem Projekt einen Namen geben, die Kernidee erläutern und einen visuellen Eindruck des Resultats vermitteln, entweder durch ein Bild oder einen kleinen Film. Projekte sind bis zum 14. Februar 2018einzureichen, was z. B. erlaubt, den Wettbewerb im neuen Schulsemester aufzugreifen. Das RPI und das SKB freuen sich über jeden Beitrag!