Fachbeiträge

Wie wird die Fastenzeit zu einer tollen Zeit im Unti?

© Miges Baumann - Brot für alle

Eben feierten wir Ostern und Pfingsten und schon sind wir gefordert, die kommende Fastenzeit für unsere Schülerinnen und Schüler zu einer erlebnisreichen Zeit zu gestalten.  Entwicklungspolitisch geht es 2017 um Land Grabbing. Bereits jetzt sollten wir uns Gedanken machen, wie wir dieses spannende Thema den Kindern und Jugendlichen näherbringen.  

„Geld gewonnen, Land zerronnen“

Von den Plakatsäulen in den Gemeinden und Städten wird im März 2017 der Slogan „Geld gewonnen, Land zerronnen“ prangen. Fastenopferwill Schweizerinnen und Schweizer darauf aufmerksam machen, dass in Entwicklungsländern den Kleinbauern Land weggenommen wird, um im grossen Stil Palmöl oder Biomasse anzubauen. Damit verlieren viele Bauernfamilien ihre Lebensgrundlage. Die Afrikanische Bischofskonferenz mahnt eindringlich: „Unser Land ist heilig, unser Land ist unser Leben und unser Land steht nicht zum Verkauf.“ Es kann nicht sein, dass globale Firmen Land kaufen, und den Menschen im Süden der  Boden zum Leben fehlt.

Was ist Land Grabbing?

  • Land Grabbing hat heute gigantische Dimensionen angenommen: Seit dem Jahr 2000 ist global eine Fläche von inzwischen mindestens 40 Millionen Hektaren (fast 10 mal die Gesamtfläche der Schweiz) an ausländische Investor/innen oder Staaten vergeben worden – vor allem in Afrika.

    Palmölplantage in Indonesien

    Palmölplantage in Indonesien

  • Zahlreiche Studien belegen, dass eine agrarökologische Landwirtschaft langfristig die Welt ernähren kann. Diese agrarökologische Landwirtschaft, von der alle Menschen in Würde leben können, wird von Land Grabbing bedroht.
  • Brot für alle, Fastenopferund Partner seinsetzten sich weltweit dafür ein, dass diejenigen Menschen langfristig die Kontrolle über das Land haben, die es für die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln nutzen und es für die nachfolgenden Generationen als fruchtbares Land bewahren.
  • Jährlich werden viele Produkte in die Schweiz importiert, die aus Land Grabbing-Plantagen stammen. Palmöl ist mengenmässig eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Importprodukte. So importiert die Schweiz jährlich mehr als 31‘000 Tonnen Palmöl. Laut Schätzungen enthalten rund die Hälfte aller Produkte in den schweizer Supermärkten (verarbeitete Nahrungsmittel, Waschmittel, Kosmetikartikel, etc.) Palmöl.
  • Durch die Beziehungen zu unseren Partnerorganisationen im vor Ort zielen wir einerseits auf die Beseitigung der Probleme durch aktives Vorgehen gegen Land Grabbing.
  • In der Schweiz fördern und beleben wir anderseits auf individueller Ebene die Beziehung vom Menschen zum Boden neu. Am Beispiel Palmöl veranschaulichen wir die schädlichen Folgen von Land Grabbing ganz konkret

Alle Stundenvorschläge im Werkheft Katechese  stehen unter dem Thema „Boden zum Leben“. Kinder und Jugendliche sollen erfahren, dass Land für uns hier wie auch für die Menschen in unseren Partnerländern  mehr ist als ein Handelsgut – nämlich Lebensraum  zum Spielen und Feiern.

Zusätzlich zu den Stundenentwürfen für die Unter-, Mittel- und Oberstufe bietet Ihnen Fastenopferin  diesem Jahr eine Einheit für die ganz Kleinen (im Alter von 4 bis 7 Jahren) und eine für intergenerationelles Lernen an.  Bei den 4 bis 7-Jährigen geht es darum, verschiedene  Bodenmaterialien zu ertasten und damit dann schöpferisch umzugehen. Die Unterstufeneinheit lässt die Kinder die natürliche Umwelt als Gottes gute Schöpfung erleben. In der Mittelstufe werden Schülerinnen und Schüler eingeladen, sich ihrer wichtigsten Lebensorte bewusst zu werden und mit Lebensorten von Kindern  in Südafrika zu vergleichen. Die Oberstufenschülerinnen und –schüler beschäftigen sich stärker mit Land Grabbing als Phänomen in unseren Partnerländern.

Alle Unterrichtsmaterialien sind neu dem Konzept der Kompetenzorientierung verpflichtet. D.h. für jede Stufe wird eine Gelegenheit geschaffen, in der Schülerinnen das im Unterricht Gelernte anwenden können. Unterstufenkinder tragen ihr Wissen in einen Familiengottesdienst, Mittelstufenschüler präsentieren Fakten und Lernerfahrungen anlässlich des Suppenessens in der Gemeinde. Jugendliche der Oberstufe informieren Passanten über die Projekte von Fastenopfer, Brot für alleund Partner sein. Im intergenerationellen Lernen bepflanzen Menschen verschiedener Altersstufen Beete mit Kresse, die für eine entwicklungspolitische Aktion genutzt werden sollen. So verschränkt sich auf allen Stufen Lernen mit dem praktischen Leben. Das dürfte den Schülerinnen und Schülern gefallen!

Daniel Wiederkehr, Fachverantwortlicher "Bildung und Sensibilisiert", ist promovierter Theologe und arbeitet seit vergangenem Jahr beim Fastenopfer. Er ist dort  für theologische Grundlagentexte und das Werkheft Katechese verantwortlich. CC BY-NC-SA 3.0  Daniel Wiederkehr | reli.ch
Kompetenz: 1B-4, 2C-3, 3C-4