Fachbeiträge

Wie feiern wir Ostern?

Liturgien werden ausgesetzt – wie nun Ostern feiern in Zeiten von Corona?  Gemeinsam im engsten Kreis feiern war Initialzündung und Anfang des Christentums vor 2000 Jahren. Von wegen Weltkirche im Verständnis, dass alle “gleich” denken müssen und auf religiöse “Einbahnstrassen” geführt werden. Man hat sich auch damals am Leben orientiert, welches in aller Abhängigkeit auch Neues bilden kann. Dabei ist das Leben Jesu Programm – unser Leben kann sich darin spiegeln. Zwischen Dunkel und Licht bewegen wir uns. Damals wie auch heute.

Wir feiern Erfahrungen, Ereignisse, welche uns berühren. Jeder Geburtstag ist eine Erinnerung an die Geburt und setzt den Feiernden in den Mittelpunkt. Dazu gehört Rückblick und Ausblick. Religiöse Feiern wollen an Ereignisse erinnern und Erfahrungen teilen. Erfahrung ist kollektiv wie auch individuell. Religionen sollen Angebote machen, um darüber auszutauschen und bieten Rituale an, welche diese Erfahrungen verdichtet feiern lassen.

Wir erfahren uns immer wieder zwischen Angst und Hoffnung. Gerade diese Tage in Corona-Zeiten machen uns diese Spannung bewusst. Diese Spannung lässt sich in den österlichen Tagen ausmachen; Jesus feiert, nimmt Abschied, ist allein im Garten Gethsemane, trägt sein Kreuz, stirbt, wird ins Grab gelegt, aufersteht. An diesen vier Tagen erinnern wir uns an diese zentrale Geschichte im Christentum.

Die Geschichte Jesu wiederholt sich immer wieder n den Geschichten der Menschen im hier und jetzt. Wie feiern wir die österlichen Tage in Corona-Zeiten? Hier ein Versuch, diese Tage in der Familie und mit seinen Liebsten zu feiern:

Hoher Donnerstag

Erster Biblischer Bezug (Wer keine Bibel zu Haus hat kann hier nachschlagen: https://www.bibleserver.com. Hier werden die biblischen Bezüge zum Evangelium von Markus oder Matthäus angegeben): Mk 14,12-42: Jesus feiert mit seinen Freunden in der Tradition als Jude das Paschamahl. Es wird das letzte gemeinsame Mahl sein und Jesu Tod lässt sich vorhersehen. Trotzdem feiern Jesus und die Jünger das Fest der Befreiung aus der Sklaverei.

Zweiter biblischer Bezug: Joh 13, 1-20: Jesus wäscht seinen Jüngern die Füsse. Dabei geht es um das Anteilnehmen am Nächsten. Ebenso geht es um ein “Ausglätten” von Hierarchien. Wer scheint mehr wert als andere? Warum?

Ritual:  Wir teilen einander mit, was uns beschäftigt und was uns betrifft.

Wir können jetzt nicht gemeinsam mit unseren Freunden austauschen, sitzen und feiern. Aber wir könnten:

  • Den Film Prince of Egypt schauen.
  • Eine Osterkerze mit Wachsplatten verzieren: Was beschäftigt mich? Was betrifft mich? Was fühle ich? Was hält mich gefangen? Wonach sehne ich mich? Welche Menschen sind an meiner Seite?
  • Eine feine, kleine Handmassage anbieten (dazu braucht es ein Massageöl oder Handcreme).

Musikalischer Bezug: Leichtes Gepäck von Silbermond. Dabei geht es um die Fragen: Was macht das Leben lebenswert – sinnvoll? Was braucht man für ein erfülltes Leben wirklich? Wenn wir am Ende stehen und auf unser Leben zurückblicken, lassen sich die wichtigen von unwichtigen Dingen unterscheiden?

Menüvorschlag: Grüne Suppe zu Gründonnerstag (das Rezept ist im Internet zu finden).

Karfreitag

Biblischer Bezug: Mk 14,43 – 15,41 (Joh 18,1 – 19,42): von der Gefangennahme Jesu bis zu seinem Tod am Kreuz.

Ritual:

  • Wir denken an Menschen, welche sich verlassen fühlen oder nicht mehr unter uns sind. Und an Menschen, die liebe Menschen in dieser Zeit des Corona verloren haben, an jene, die um das Leben ihrer Lieben bangen. Wir denken an Menschen, die Angst haben, Menschen die sich eingeengt fühlen.
  • Wir sammeln dürre Äste, die uns an alles Abgestorbene erinnert – oder Dornenzweige für alles, was schmerzt und sticht. Diese legen wir an einen Ort in der Wohnung (Tisch, Kommode).
  • Dabei können wir auch Kräuter des Frühlings sammeln für das gemeinsame Eierfärben. Vielleicht fühlen wir auch gerade jetzt in der Zeit von physical distance schmerzlich, wie sehr uns Freunde und Verwandte fehlen? Wir können den Menschen, welche wir vermissen, Grusskarten schreiben.

Erster musikalischer Bezug: Streets of Philadelphia ist ein im Frühjahr 1994 veröffentlichtes Lied des US-amerikanischen Rockmusikers Bruce Springsteen. Es ist ein melodisches Klagelied, begleitet von Synthesizer-Klängen und einem Drumcomputer. Der Songtext deckt sich weitest gehend mit der Klage aus Psalm 22, welche Jesus in den Mund gelegt wurde: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“

Zweiter musikalischer Bezug: Hören eines Passions-Oratoriums.

Als Beispiel:

Menüvorschlag: Klassisches Gericht mit Gemüse und evtl. Fisch.

Karsamstag

Biblischer Bezug: Mk 15,42-47: Jesus wird begraben.

Die Menschen um Jesus können ihn nur noch bestatten. Sie trauern und tragen ihn zu Grabe. Es ist, wie es ist.

Ritual: Der Karsamstag symbolisiert die Leere.

  • Wo und wann fühlen wir uns selbst leer und nicht gefüllt? Was sind die Chancen der Leere, welche jede Krise generiert?
  • Einen Spaziergang machen, den Moment der Stille geniessen, sich etwas Gutes tun, wie z.B. ein Bad nehmen, sich auf sich besinnen.
  • Ein Osterkranz oder Ostertauben backen.
  • Trotz allem lässt sich in der Leere schon die Fülle, in der Trauer schon die Auferstehung erahnen. Vielleicht zünden wir die selbst gemachte Osterkerze in der Dunkelheit des Abends schon an?

Erster Musikalischer Bezug: Sitting here in Limbo von Jimmy Cliff. Wo fühle ich mich gefangen? Was engt mich ein? Was macht mich leer?

Zweiter Musikalischer Bezug: Wartezimmer der Welt von Herbert Grönemeyer. Die Stille als Spannung erleben. Man weiss nicht, was kommt, was da auf uns wartet. Wir wissen nicht, wie das Morgen aussieht. Gibt es Hoffnungsschimmer in diesen Zeiten?

Menuevorschlag: viel Phantasie wünschen wir dabei allen.

Ostersonntag

Biblischer Bezug: Mk 16,1 – 8; (Mt 28, 1 – 10) Jesus lebt! Die Verzweiflung, die Trauer, die Leere verwandelt sich in neues Leben. Das leere Grab beschreibt diese Erfahrung bildlich.

Ritual:  Wir freuen uns des Lebens!

  • Kerzenlicht, die selber gestaltete Osterkerze entzünden, Musik, feines Essen… alles das erinnert uns daran, dass uns das Leben geschenkt ist und dass wir für das Glück geschaffen sind. Wo in unserem Leben haben wir diese Erfahrung schon gemacht?
  • Wir suchen das Osternest in der Wohnung/ im Garten
  • Leben teilen: Wir tauschen aus, was uns Hoffnung gibt und zeigen einander Dinge, welche unser Herz erfreuen. Das kann etwas sein, was wir gerade ganz neu entdecken oder was uns in den letzten Wochen wichtig geworden ist.

Ostern – ein Fest in der Fülle. Ein Fest, welches ermutigt und aufstellt. Ostern ist achtsames neu wahrnehmen von Leben. Die Ostergeschichte in der Bibel ist sozusagen Gegenprogramm zu einer Welt voller Dunkelheit und Tod. Sie erzählt davon, dass das Leben trotz gegenteiliger Erfahrung stärker ist als all das, was tötet. Sie ist eine Hoffnungsgeschichte für Menschen in Bedrängnis. Diese Auferweckungserfahrung kann uns in unserem Alltag immer und immer wieder stärken. Vielleicht gerade durch das Leben in der Krise wird sie auch zur Hoffnungsgeschichte für uns Menschen in Europa.

Musikalischer Bezug: Life Vest Inside – Kindness Boomerang – “One Day”

Menuevorschlag: da gibt es viele Vorschläge im Netz. Aber nicht vergessen, Ostereier “tütschen”

Ostermontag

Biblischer Bezug: Lk 24,13-35 Jesus auf dem Weg nach Emmaus

Ritual:

  • Die Biblische Geschichte der Emmausjünger beschreibt eine Glaubenserfahrung. Zwei sind unterwegs und machen durch das Gespräch, den Austausch die Erfahrung, dass ihnen die «Augen» aufgehen für das, was Hoffnung gibt. (Und für mich sagt diese Geschichte auch, im Dunkeln, in der Trauer plötzlich erkennen: die Erinnerungen und die Lebenshaltungen eines geliebten Menschen können weiter ins Leben im Hier und Jetzt integriert werden, darin besteht tiefer Lebenssinn). In der Leere und der Langeweile kann neues Hoffnungsvolles entstehen. Einander erzählen, was Hoffnung und Kraft gibt und ermutigt!
  • Fotoalben anschauen, ein Lebenspanorama malen, was erschliesst sich rückblickend?
  • Einen meditativen Spaziergang machen mit dem Satz “Leben, ich liebe es”

Musikalischer Bezug: Alle stellen ein Musikstück vor, welches ihnen Kraft und Energie gibt