Fachbeiträge

Wie berechne ich (m)ein Pensum für Katechese und Religionsunterricht?

Arbeitsplatz
© Jahreis / pixelio.de

Alle Jahre wieder sorgt in vielen Pfarreien die Berechnung der Pensen für das kommende Schuljahr für Arbeit und birgt Konfliktpotential. Dabei zeigt sich, dass eine sorgfältige Berechnung zur gegenseitigen Klärung von Erwartungen beiträgt. In diesem Beitrag wird ein Werkzeug vorgestellt, mit dem sich Pensen einfach berechnen lassen.

Komplizierter als gedacht

Es könnte so einfach sein: In den meisten Kantonen gibt es Berechnungsmodelle, die den Aufwand für die Katechese oder den konfessionellen Religionsunterricht in Stellenprozenten ausrechnen. In der Regel gibt es pro Wochenlektion über das Schuljahr hinweg einen fixen Prozentsatz (z.B. 4% oder 4.5%). In manchen Modellen sind Elternabende und Liturgien in diesen Prozentsatz eingeschlossen. Andere Modelle kennen einen Abzug, wenn man mehrere Klassen bzw. Gruppe auf einer Jahrgangsstufe hat.

Aus der Arbeit mit Pfarreiteams weiss ich, dass diese Modelle nur an wenigen Orten problemlos funktionieren. Besonders mit Blick auf ausserschulische Angebote und sich verändernden Zeitgefässen bilden die kantonalen Modelle die Realität des Berufs zu wenig ab.

Aufgaben sichtbar machen – Erwartungen klären

Ein Problem besteht darin, dass die Aufgaben in Katechese und konfessionellem Religionsunterricht sehr vielfältig geworden sind (oder es vielleicht immer schon waren). Nicht alle Aufgaben sind für die anstellenden Behörden und die Vorgesetzten sichtbar. Es braucht also ein Werkzeug, mit dem die verschiedenen Aufgaben sichtbar gemacht werden können. Dies ist die Grundlage dafür, ein Pensum sauber berechnen zu können. Zugleich können so die gegenseitigen Erwartungen geklärt werden: Was wird eigentlich von Personen erwartet, die in den Bereichen „Katechese“ und „konfessioneller Religionsunterricht“ tätig sind?

Das Pensenberechnungs-Tool im Detail

Am besten ladet ihr euch das Tool herunter (Download am Ende des Beitrags). Es ist weitgehend selbsterklärend. Gerne möchte ich noch ein paar Details erklären:

Die gelben Felder stellen die Basiswerte dar, die angeben, wie hoch der Aufwand für eine Aufgabe ist. Eine Veränderung dieser Felder führt zu einer Veränderung der Stellenprozente. Die eingetragenen Werte sind Erfahrungswerte.

 

Die blauen Felder sind zum Ausfüllen da. Neben Angaben zur Person dienen sie dazu, anzugeben, in welchem Umfang die Aufgabe ausgeführt werden soll. Die Felder können auch leer bleiben oder den Wert 0 haben. In diesem Fall wird ausgedrückt, dass es auch keine Erwartung hinsichtlich der jeweiligen Aufgabe gibt.

 

Beim pinken Feld trägst du dein Alter ein. Auf Grund unterschiedlichem Ferienanspruch bei unterschiedlichem Alter ergeben sich andere Jahresarbeitszeiten. In den einzelnen Kantonen können unterschiedliche Werte gelten. Eventuell bedarf es hier einer Anpassung.

 

Im grünen Feld steht der auf ganze Prozente gerundete Stellenprozentwert. Der Wert ergibt sich aus den Teilwerten pro Bereich.

Perspektiven

Erfahrungsgemäss führt das kleinteilige Ausrechnen aller Aufgaben zum jeweiligen Schuljahr schnell zur Haarspalterei. Jährlich wechselnde Pensen erschweren zudem die Budgetplanung der betroffenen Mitarbeitenden (und Pfarreien). Aus meiner Sicht wäre es ein sinnvoller Schritt, auch bei Angestellten mit einer katechetischen Ausbildung auf eine feste prozentuale Anstellung zu wechseln. So wie es bei anderen Mitarbeitenden in den Bereichen „Katechese“ und „konfessioneller Religionsunterricht“ (Religionspädagoginnen und Religionspädagogen sowie Theologinnen und Theologen) üblich ist. Arbeit hat es stets genug, auch bei kleineren Jahrgängen mit weniger Gruppen. Bei einer Anstellung mit festem Prozentsatz kann das Pensenberechnungstool dazu dienen, die verschiedenen Aufgaben sichtbar zu machen. Damit würde es zu einer Art Pflichtenheft in diesem Bereich.

Eure Erfahrungen

Welche Erfahrungen macht ihr mit der Pensenberechnung? Kennt ihr weitere Modelle, die sich aus eurer Sicht bewähren? Welchen Eindruck habt ihr vom Pensenberechnungs-Tool? Was seht ihr kritisch, was fehlt euch? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Download

Das Pensenberechnungs-Tool kann über diesen Link als Excel-Tabelle heruntergeladen und bearbeitet werden.

In diesem Zusammenhang eventuell ebenfalls von Interesse: die Lohnsynopse. Wer verdient eigentlich wieviel in welchem Kanton. Die Synopse findet ihr hier.

Disclaimer

Grundlage für das Modell war das Berechnungsmodell der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Dieses Modell habe ich angepasst und ausgebaut.

 

David Wakefield leitet das Fachzentrum Katechese und ist ab August 2018 Studienleiter am RPI der Universität Luzern. In Zürich ist er Ausbildungsleiter an der Fachstelle für Religionspädagogik. David auf Twitter David auf Facebook David auf LinkedIn CC BY-NC-SA 3.0 David Wakefield | reli.ch  
Kompetenz:
Leitsatz 12