Fachbeiträge

Unterrichtsbesuche im kirchlichen Religionsunterricht

© Dieter Schütz / pixelio.de

In einem religionspädagogischen ökumenischen Weiterbildungsangebot von SO und BL wurde Unterrichtsverantwortlichen aufgezeigt, wie Unterrichtsbesuche zu einer Verbesserung der Unterrichtsqualität in dem von der Kirche verantworteten Religionsunterricht führen.

Fokussierung auf die Unterrichtsqualität

Der Kurs fokussierte auf den Unterrichtsbesuch als Qualitätssicherung in der ersten und zweiten Säule.

Im Theorieteil wurde auf den Hintergrund des Unterrichtsbesuches eingegangen. Im Praxisteil konnten konkrete Situationen im Rollenspiel eingeübt werden.

Ansprechpersonen für die Weiterbildung waren alle für von der Kirche verantworteten konfessionellen und ökumenischen Religionsunterricht an der Schule und den katechetischen Angeboten in der Kirchgemeinde/ Pfarrei verantwortlichen Personen, also Kirchgemeinderäte, Pfarreiräte, Pfarrpersonen oder Katechetinnen mit entsprechenden Zusatzaufgaben. In den meisten Fällen fühlten sich die teilnehmenden Personen unsicher und erwarteten von den Referenten der Weiterbildung konkretes Handwerkszeug, um mit ihren künftigen Unterrichtsbesuchen das Ziel, die Qualität des Unterrichts zu ermitteln und weiterzuentwickeln erreichen zu können.

Grundlagen der Kommunikation und Vorbereitung

Im Theorieteil wurden die Elemente der verbalen und nonverbalen Kommunikation nach Schulz von Thun erläutert und der konkrete Ablauf eines Unterrichtsbesuches aufgezeigt. Voraussetzung für ein gutes Resultat ist eine gute Vorbereitung durch beide beteiligten Personen. Dies geschieht idealerweise in einer telefonischen Vorbesprechung, die ebenfalls dazu dient, festzulegen, wann der Besuch stattfinden soll und zu welchen Kriterien ein Feedback erwartet wird.  Angesprochen wird, wie Kritik oder Lob formuliert bzw. entgegengenommen werden soll. Diese vorgängige Klärung ist ein wesentlicher Bestandteil eines erfolgreichen Unterrichtsbesuchs.

Ein weiterer Aspekt ist die Rollenklärung für die unterrichtsverantwortliche Person: in welcher Rolle soll sie den Unterricht beurteilen? Als objektiver Spiegel, interessierter Fachmann oder wache Beobachterin?

Um die Aufgabe des Unterrichtsbesuchs zuverlässig ausfüllen zu können, werden theologische und methodisch-didaktische Fachkenntnisse im religionspädagogischen Fachbereich vorausgesetzt.

Die Erkenntnis, dass niemand unfehlbar ist, weder die zu beurteilende noch die beurteilende Person ist ein wichtiger Bestandteil einer guten Feedbackkultur. Es dürfen auch in diesem Kontext Wirkungsfehler passieren, sie können nicht immer vermieden, dürfen aber angesprochen werden.

Der Unterrichtsbesuch

Der Termin ist vereinbart, das Beurteilungsraster im Vorbereitungsgespräch besprochen, die Bewertungskriterien sind geklärt.

Die frühzeitig eingereichte ausführliche Lektionenpräparation erleichterte der beurteilenden Person die Vorbereitung. Ein Beurteilungsraster, welches den Lektionenaufbau, die Zeiteinteilung und das Erreichen des Lektionenziels beurteilt, erleichtert die Beurteilung enorm. Die beobachtende Person fokussiert auch auf das persönliche Auftreten der unterrichtenden Person, wie sie die Arbeitsaufträge erklärt und auf die Disziplin in der Klasse. Zusätzlich kann beobachtet werden, ob das Verhalten der Lehrperson im Zusammenhang mit auffälligen SuS adäquat ist, wo im Ablauf der Lektion Stresssituationen vermieden werden könnten oder ob der theologische Input adressatengerecht vermittelt wird. Im anschliessenden Gespräch, für das genügend Zeit reserviert sein muss, werden die beobachteten Punkte diskutiert und weiterführende Verbesserungen angedacht. Ein schriftliches Feedback rundet den Unterrichtsbesuch ab.

Praxisteil und Konklusion

Der Praxisteil der Weitebildung gab den Teilnehmenden die Möglichkeit, um konkrete Situationen einer Rückmeldung im Rollenspiel zu üben und mit dem Feedback aus der Kursgruppe die eigenen Fähigkeiten zu verbessern.

Der wichtigste Punkt bei einem Unterrichtsbesuch ist das wohlwollende, die kritischen Punkte angemessen thematisierende Feedback am Schluss der beobachteten Lektioneneinheit. Nur ein ehrliches Feedback hilft dem/ der Unterrichtenden, um sich weiterzuentwickeln. Wer sich dies nicht zutraut, ist für Unterrichtsbesuche nicht geeignet. Beschönigende und unehrliche Rückmeldungen leisten keinen Beitrag zur Unterrichtsqualität, weil sie der unterrichtenden Person keine Chance geben, sich weiterzuentwickeln.

 

Link:

Webseite der reformierten und katholischen Fachstellen Religionspädagogik des Kantons Solothurn mit ausführlichen Informationen zum Zweisäulenmodell

 

Literatur:

Helmke Andreas, Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität, Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts, Seelze-Velber 2009, Klett und Kallmeyer

Strahm Peter, Qualität durch systematisches Feedback, Grundlagen, Einblicke und Werkzeuge, Bern 2008, Schulverlag

Schulz von Thun Friedemann, Miteinander reden, Störungen und Klärungen, Hamburg 1981, 35. Auflage 2001, Rowolt Taschenbuch Verlag

 

 

Maja Bobst-Rohrerist Co-Leiterin derreformierten Fachstelle Religionspädagogik des Kantons Solothurnund dort Verantwortlich für die Bereiche Weiterbildung, Beratung und Projekte CC BY-NC-SA 3.0  Maja Bobst-Rohrer | reli.ch
Kompetenz:
Leitsatz 12