Fachbeiträge

Schaltet alle eure Smartphones ein – wir wollen lernen

Das Alltagsgerät von Jugendlichen bietet eine Vielzahl von Lernsettings an, welche Wissensvermittlung und mehr auf abenteuerliche Weise gestalten lassen. Die Verantwortung gegenüber dem Lernen kann dabei auch zu einem guten Stück an die Jugendlichen abgegeben werden. Die Kontrolle bleibt erhalten – wenn auch aus derDistanz.

Realen und virtuellen Raum kombinieren

Mit zwei Apps, welche die meisten Jugendlichen installiert haben, können Orte und Inhalt kombiniert werden. Google Maps ermöglicht die Navigation zu bestimmten Orten. Dies können Kapellen, Kreuzwegstationen, Skulpturen usw. sein. Mit WhatsApp können Wissensinhalte, Aufgabenstellungen usw. an die Jugendlichen gesendet werden.

Die Kombination lässt sich beliebig ausweiten. Mehrere Gruppen können auf unterschiedlichen Routen verschiedene «Lernstationen» angehen. Via WhatsApp können die Gruppen untereinander ihr erlerntes Wissen austauschen. Oder Lösungen von Aufgaben im Chat zur Verfügung stellen, die andere Gruppen für ihre Aufgabenlösung benötigen.

Fügt man weitere Apps hinzu, wie z. B. QR-Codeleser, ergeben sich weitere Möglichkeiten der Interaktion.

Alternative Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen

Das geliebte Freizeitgerät dient Jugendlichen in erster Linie zur Kontaktpflege, zur Organisation der Freizeit und als Unterhaltungsquelle. Dabei stecken in den kleinen Geräten auch Möglichkeiten der Wissens- und Kompetenzerweiterung. Der Einbezug des Smartphones überrascht die Jugendlichen vielleicht beim ersten Mal: «Aber sonst müssen wir es doch immer stumm/ausschalten! Dürfen Sie das überhaupt?» Sie sollen. Die Nutzungsdauer zu reduzieren oder gar zu unterbinden erscheint aufgrund der Beobachtungen von Erwachsenen eher zynisch. Kreative und konstruktive Nutzungsmöglichkeiten aufzuzeigen fördern dabei einen guten Umgang und fordern Jugendliche heraus. Denn die «digital natives» verfügen zwar über einen intuitiven Zugang, müssen aber für eine vertiefte Nutzung auch Vieles erst erlernen.

Aufwändige Vorbereitung

Man kennt es von der Lernwerkstatt. Die Vorbereitungen nehmen viel Zeit in Anspruch, schaffen aber Lernmotivation und können mehrmals verwendet werden. Gleich verhält es sich mit Lernsettings mit dem Smartphone. Die Route muss auf einer Karte in My Maps von Google erstellt werden. Inhalte und Aufgaben so vorbereitet werden, dass sie zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Chat gestellt werden können. WhatsApp soll entsprechend eingerichtet sein und ein Drehbuch gewährleistet die Übersicht im Ablauf usw.

In der Durchführung selbst ist man eine Art «Leitzentrale». Man versorgt mit Informationen, Hinweisen und Sprach- oder Videonachrichten die Lernenden. Kontrolliert die Resultate und Kommunikation in den Chats und interveniert, wenn etwas falsch läuft.

Das aktive Lernen in einem solchen Lernsetting ist dabei mit einer «Unmittelbarkeit» gekoppelt. Wer Informationen usw. nicht verarbeitet, der kann auch keine Beiträge in den Chat stellen – Nichtstun wird sichtbar…

Gott ist auch im virtuellen Raum

Den unschönen bis hässlichen Seiten der digitalen Welt kann nicht nur mit restriktiven Massnahmen begegnet werden. Es gilt auch diese Welt zu kultivieren und aufzuzeigen, dass moralische/sittliche Verstösse (nebst gesetzlichen) auch hier real sind.Mit der Verwendung von WhatsApp in Lernsettings können Beleidigungen, Diskriminierungen usw. dann thematisiert werden, wenn sie auftreten. Eine gute Chatkultur kann aber auch vorgängig besprochen werden und so einen Beitrag dazu leisten, das eigene Verhalten in der digitalen Welt positiv auszugestalten.

 Wenn die Religionspädagogik vermehrt im virtuellen Raum präsent ist, bewirkt sie Verkündigung mit einer zentralen Aussage: «Dieser Raum ist keine gottlose Zone, auch hier hat das Evangelium bestand und fordert uns heraus, Gott zu suchen.»

 

Viktor Diethelm ist Religionspädagoge und Leiter der Deutschschweizer Fachstelle für offene kirchliche Jugendarbeit   CC BY-NC-SA 3.0Viktor Diethelm | reli.ch
Kompetenz: 4B-3, 4F-2
Leitsatz 6