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Wer kennt sie nicht – diese Aussagen der SuS? Doofe Schule. Ich mag nicht, habe keine Lust dazu. In den RU gehen wozu? Ist auch doof. Dann die fiesen LP oder auch Eltern. Als ich dieses Verhalten bewusst wahrgenommen habe, machte ich ein Experiment mit den SuS. Äusserst spannend, was dann passierte.

Nicht nur die Schüler und Jugendlichen beklagen sich über vieles. Auch die Erwachsenen machen fleissig mit. Es scheint fast so, als wäre das Klagen eine Zeiterscheinung unserer Gesellschaft. Um dem ein bisschen entgegenzuwirken, hatte ich eine Idee: «Gemeinsam mit den Jugendlichen den Fokus anders einzustellen.» So stand während einigen Wochen das Thema Dankbarkeit im Zentrum des RU. Total ungewohnt für die SuS sind wir bei der ersten Lektion mit dem Jodellied «Dankbarkeit» eingestiegen. Nach der Definitionsbesprechung haben die SuS im Zweiergespräch gesammelt, welchen Menschen gegenüber sie dankbar sind. Und weshalb sie diesen Menschen dankbar sind. Damit auch wirklich alle sich damit auseinandersetzen, haben sie ein Arbeitsblatt erhalten. Jede Person schrieb nun 10 Personen auf und den Grund für ihre Dankbarkeit. (Idee aus dem Buch «The Magic») Für einige eine grosse Herausforderung, weil sie es einfach nicht gewohnt sind, Dankbarkeit zu zeigen.

Um das Thema zu vertiefen, haben sie im Mindmap verschiedene Themenbereiche notiert und wofür sie jeweils dankbar sind. Eine grosse Fülle an Dankbarkeit ist zusammengekommen. Bei der anschliessenden kreativen Vertiefung kam bei den SuS Irritation auf. Alle haben Zeitungen bekommen und mussten darin Texte und Titel suchen, die für sie negativ waren. Die Texte haben sie herausgerissen/geschnitten. Themen waren Krieg, Unfall, Katastrophen, Tod, Gewalt… «Weshalb sollen wir solche Artikel suchen? Wir haben uns doch mit der Dankbarkeit beschäftigt.», wollten die SuS wissen. «Bald werde ich das Geheimnis lüften und dann wisst ihr, weshalb ihr genau diese Aufgabe gelöst habt.», meine Antwort dazu. All die Artikel und Stichworte klebten die SuS anschliessend auf ein A3 Zeichnungsblatt. Ihnen war freigestellt, ob sie die Artikel zurechtschneiden oder reissen wollen.

All die weissen Blätter sind nun mit den negativen Schlagzeilen zugeklebt. Symbolisch stellen sie den Teppich unserer Gesellschaft dar. Der Fokus liegt auf dem Negativen. Wir sind uns alle bewusst, dass es negative Vorkommnisse auf der Welt gibt. Besonders dann ist es wichtig, dass wir für uns hinschauen und uns überlegen, wofür bin ich denn gerade in dieser Zeit dankbar? In der Weiterführung gestalteten die SuS über dem Negativteppich ihre Dankbarkeit. Die Stichworte schrieben oder zeichneten sie direkt auf die Zeitungscollage oder auf buntes Papier, um die Dankbarkeit noch mehr hervorzuheben. Wundervolle Plakate wurden gestaltet. Zur gegenseitigen Inspiration im Alltag wurdeneinige Werke im Schulhaus aufgehängt.

Im nächsten Schritt setzten sich die SuS mit der Dankbarkeit in der Bibel am Beispiel vom dankbaren Samariter (Lk 17,11 – 19) auseinander. Von den 10 Geheilten kam nur einer zurück und zeigte seine Dankbarkeit. Ein Thema, das nicht bloss heute aktuell ist, sondern bereits zu Jesu Zeiten aktuell war. In der Vertiefung überlegten und übten im Anschluss daran die SuS ein Rollenspiel. Die Aufgabe war, die Dankbarkeit besonders herauszuarbeiten und die Geschichte weiterzuführen.

Bei Fragen oder weiteren Anregungen zum Thema Dankbarkeit freue ich mich, von Ihnen zu lesen oder zu hören. Gerne bin ich auch bereit, gemeinsam mit Ihnen ein Dankbarkeitsprojekt anzudenken und umzusetzen.

 

Literatur

Byrne, Rhonda, The Magic, Knaur MensSana, 2012, ISBN 978-3-426-65718-8

 

Links und Material

Projektergebnisse im Seelsorgeraum Seedorf-Bauen-Isenthal

Arbeitsblatt und Bilder für das Projekt „Dankbarkeit“

 

Autor

Bruno Durrer ist Religionspädagoge, Kantonspräses Jungwacht Blauring UR/SZ, Selbstständig und Familienvater

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CC BY-NC-SA 3.0  Bruno Durrer | reli.ch

6 Comments

  • Laffer-Schmidlin Jeannine sagt:

    Hallo Bruno, wow, super Idee mit der „Dankbarkeit“. Ich werde diese Idee gerne mit meinen 5. und 6. Klässlern versuchen. Wäre es möglich, dass ich von Dir die Lektionen haben könnte? Und vielleicht noch ein Bild von der Kollage? Das wäre super lieb!
    Liebe Grüsse. Jeannine
    Ein Spruch, der für mich sehr wichtig ist lautet:
    „Nicht die Glücklichen sind dankbar, es sind die Dankbaren die glücklich sind! Francic Bacon

    • Bruno Durrer sagt:

      Hallo Jeannine
      Vielen Dank für deinen Kommentar und den wundervollen passenden Spruch. Schreib mir doch bitte eine E-Mail, damit ich direkt mit dir schreiben kann. Schon jetzt freue ich mich von dir zu lesen.
      Herzliche Grüsse
      Bruno

  • Lieber Bruno, herzlichen Dank für deinen Impuls. Grad gestern haben wir in der Weiterbildungskommission über christliche Werte diskutiert, welche in St.Gallen notabene auch im Schulgesetz stehen. Doch was wird darunter verstanden? Nächstenliebe? Solidarität? Wer denkt dabei schon an Dankbarkeit. Du hast mich darauf gestossen. Immerhin nennen wir das Zentrum der katholischen Glaubenspraxis, aus dem wir immer wieder genährt hervorgehen, Eucharistie – Danksagung. Dankbarkeit ist für mich sicher ein christlicher Wert (wenn auch nicht nur – Andersglaubende sind ja oft mindestens so dankbar).
    Auch ich bin motiviert, deinen Input gleich in meinen Unterricht aufzunehmen.

    • Übrigens bin ich immer weniger mit Widerstand von Seiten der SuS konfrontiert. Die haben z.T. sowenig Erfahrung mit Kirche, dass sie auch keine schlechten Erfahrungen mehr machen. Packen wir diese Chance 😉

      • Bruno Durrer sagt:

        Genau, das ist echt eine grosse Chance. Wir dürfen sie annehmen und den SuS etwas zumuten. Aus meiner Erfahrung finde ich es auch wichtig, dass wir ihnen Verantwortung abgeben. Bei der kreativen Arbeit mit der Dankbarkeit geht es nicht darum, dass die SuS ein Plakat gestalten, das meinen Anforderungen entspricht, sondern dass sie da eine Möglichkeit bekommen sich zu präsentieren.

    • Bruno Durrer sagt:

      Lieber Othmar
      So toll von dir zu lesen. Es freut mich, dass du in dem Blog einen Mehrwert für dich und deine Schüler siehst. So zu arbeiten macht total viel Spass.
      Auf diesem Weg wünsche ich dir viel Freude und gutes Gelingen!
      Herzliche Grüsse
      Bruno

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