Fachbeiträge

Mitarbeitendengespräch

© Helmut J. Salzer / pixelio.de

«Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser» lautet ein sehr gängiges Sprichwort. Stimme ich dem zu? Keine Frage ist das für mich, wenn ich z.B. die Diskussion zum selbstfahrenden Auto anschaue. Ich steige wohl nicht in einen Bus, der ganz autonom unterwegs ist. Da fühle ich mich unwohl. Ich bin dankbar, wenn hier noch ein Fahrer, eine Fahrerin kontrollierend dabei sein kann.

Nicht zustimmen würde ich dagegen im Bereich des menschlichen Zusammenlebens. Oder ist es für eine Partnerschaft förderlich, wenn gegenseitiges Vertrauen weniger stark gewertet wird als Kontrolle? Ähnliches gilt auch für das Berufsleben. Dass die Leitung eines Betriebs Leistung, Arbeitszeit und Synergien der Mitarbeitenden prüft, ist sinnvoll. Es ist aber mindestens genauso wichtig, das gegenseitige Vertrauen zu stärken. Und genau das ist ein wesentliches Anliegen des Mitarbeitendengespräches.

Im Bistum Basel wurde im Juni 2016 ein neuer Gesprächsbogenherausgebracht. Denn in den sich stark verändernden Situationen der Gesellschaft und der Pastoral sind Mitarbeitergespräche in den Pfarreien und Pastoralräumen sehr wertvoll. Wie andere pastorale Mitarbeitende erhalten Katechetinnen und Katecheten damit für die geleistete pastorale Arbeit ein qualifiziertes Feedback. Stolpersteine, Schwächen und Stärken, z.B. bei der Erstkommunionvorbereitung oder dem Elternabend im Pastoralraum werden unter die Lupe genommen. Ziele für das kommende Schuljahr oder für einen grösseren Zeitraum werden vereinbart. Projekte, z.B. auch Vernetzungen mit anderen kirchlichen Bereichen wie Diakonie, Erwachsenenbildung oder Liturgie kommen zur Sprache. Die dafür nötigen zeitlichen Ressourcen werden berücksichtigt. Schliesslich geht es auch darum, offen zu legen, was motiviert mich, was fördert meine Arbeitszufriedenheit? Besonders diese letzten Fragen sind «Kontrollmesser» für ein gutes Arbeitsklima, das auf gegenseitiges Vertrauen beruht.

Gegenseitiges Vertrauen zwischen mitarbeitender und vorgesetzter Person ist im kirchlichen Setting besonders wichtig. Denn nur so können beide als «Mitarbeitende Gottes» (1 Kor 3,9-15) dem gemeinsamen Auftrag für die «Sache Jesu» (Phil 2,21) nachkommen. Die Basis dafür hat Jesus selbst gelegt (1 Kor 3,11). Wie können beide Parteien den hohen Ansprüchen in der heutigen Zeit entgegentreten? Hier dürfte wohl das «Mitarbeitendengespräch» mit dem «himmlischen» Vorgesetzten immer noch eine grosse Rolle spielen. Für dieses sollten beide Parteien genügend «Zeitressourcen» einräumen. Übrigens kann ein solches «Gespräch» für das gesamte Bodenpersonal höchst motivierend sein, wenn von höchster Stelle womöglich das gängige Sprichwort umgedreht wird: «Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser».

 

Birgitta Aicher ist Leiterin der römisch-katholischen Fachstelle Religionspädagogik im Kanton Solothurn   CC BY-NC-SA 3.0  Birgitta Aicher | reli.ch
Kompetenz:
Leitsatz 12