Fachbeiträge

Krippenbauen mit Papa – Das gemeinsame Tun verbindet und jede Krippe ist ein Unikat

© Claudia Frauenlob

Claudia Frauenlob arbeitet als Pastoralassistentin in der Pfarrei Hallwang, welche zur Erzdiözese Salzburg gehört. Gemeinsam mit Ihrem Mann Johann Frauenlob bieten sie seit vielen Jahren das beliebte Krippenbauen für Väter und Kinder an. Die Projektinitiantin macht Mut, ein solches Angebot selbst durchzuführen und gibt wertvolle Tipps, wie es auf die eigene Situation angepasst werden kann.

Gemeinsamer Start und offenes Ende

Der Anlass findet jedes Jahr an einem Samstag am Ende des Monats November statt und startet für alle um 10.00 Uhr. Melden sich mehr als 13 Familien an, wird die Gruppe auf mehrere Daten aufgeteilt. So kann das eingespielte Ehepaar die Familien gut begleiten. Claudia Frauenlob ist sicher, dass es bei einem grösseren Team und genügend Platz auch mehr Teilnehmende geben könnte.

Wenn die Familien eingetroffen sind, gibt es eine kurze Begrüssung und Einführung durch die Gastgeber. Dann geht es auch schon mit dem Bauen der Krippen los. Jede Familie baut für sich im eigenen Tempo. Der Anspruch an die Gestaltung der Krippe und der damit verbundene Aufwand sind individuell. Entsprechend brauchen die Familien unterschiedlich lange. Das Ende ist offen. Väter mit kleinen Kindern brechen oft gegen 14 Uhr auf. Männer mit älteren Kindern bleiben häufig länger. Das Ehepaar Frauenlob richtet sich nach den Bedürfnissen der Gäste.

Individuelle Mittagspause mit Bauernkrapfen

Wer hungrig ist, kann sich beim Znüni bedienen. Zum Mittagessen wird ein «Österreichisches Fingerfood» angeboten. Weil das Pausenbedürfnis sehr unterschiedlich ist, kann jede Familie selbst bestimmen, wann und wie lange sie Mittagspause macht. Das bewährt sich.

Die Zeit alleine tut Vätern und Kindern gut

Beim Anlass werden nur männliche Begleitpersonen zulassen. Das Ehepaar hat sich mit dem Klischee «Krippenbauen ist nur was für Männer» auseinandergesetzt und abgewogen. Ihrer Erfahrung nach schätzen es die Männer, wenn sie mal unter sich sind. Die Zeit alleine mit der männlichen Bezugsperson ist auch für viele Kinder etwas Besonders. Es entsteht eine besondere Dynamik, wo sich Vater und Kind beim gemeinsamen Werken oft von einer neuen Seite kennenlernen. Wäre es für Frauen offen, würden wohl einige Männer dieses kirchennahe Angebot auf ihre Partnerin abschieben. Dem Ehepaar Frauenlob ist es ein Anliegen, dass auch Kinder ohne Väter kommen können. Hier regen sie an, dass z. B. der Pate, Opa, grosse Bruder oder ein sozialer Vater mitkommen.

Kinder von 4 bis 12 Jahren

© Claudia Frauenlob

Das Angebot richtet sich an Mädchen und Knaben im Alter von vier bis zwölf Jahren. Jünger ist vor allem schwierig, wenn noch ältere Geschwisterkinder dabei sind. Optimal ist es, wenn die Männer mit einem oder höchstens mit zwei Kindern kommen. Bei Geschwisterkindern gibt Frau Frauenlob die Empfehlung, dass der Vater mit dem jüngeren Kind im Folgejahr kommt. Es gibt immer wieder Familien, die den Anlass ein zweites oder drittes Mal besuchen und dann z. B. einen Anbau für den Stall bauen oder ein Haus für die Herbergssuche von Maria und Josef herstellen.

Gute Vorbereitung und genügend Material

Im Vorfeld sägt Johannes Frauenlob einen Tag lang aus Restholz unterschiedlich lange und dicke Holzklötze zu, aus welchen die Krippen gebaut werden. «Es ist wichtig, dass genügend Material vorhanden ist», betont Frau Frauenlob. Bei den zugesägten Holzbausteinen braucht es auf alle Fälle eine gute Mischung mit unterschiedlichen Grössen.

Verbunden werden die Hölzer mit einem Holzleim. Dieser lässt sich leicht mit dem Pinsel aufgetragen und ist nach dem Trocknen durchsichtig. Als Untergrund gibt es eine Holzplatte, die in ihrem ersten Leben z. B. eine Schrankwand oder Tischplatte war. Durch dieses Holzrecycling entstehen ökologische und kostengünstige Krippen.

Zusätzlich wird Moltofill als Spachtelmasse zur Verfügung gestellt, woraus z. B. eine Mauer gebaut werden kann. Zur Gestaltung und Dekoration halten sie auch Naturmaterialien wie Baumrindenstücke, kleine Äste und Schwemmholz bereit. Die Gäste können auch während des Bauens in die Natur raus und dort selbst Materialien suchen. Familie Frauenlob sammelt das ganze Jahr geeignete Materialien. Frau Frauenlob erzählt: «Alles, was wir finden oder wegwerfen, prüfen wir, ob wir es fürs Krippenbauen verwenden könnten.»

Auch im Pfarreiheim durchführbar

© Claudia Frauenlob

Das Ehepaar Frauenlob führt den Anlass auf ihrem Seminarbauernhof Brunn-Gut durch. Dieser Ort ist fürs Krippenbauen optimal, weil es einen Kreativraum gibt und Herr Frauenlob seine Werkstatt nutzen kann. Frau Frauenlob berichtet: «Wenn etwas zugesägt werden muss, kommen die Familien mit ihren individuellen Wünschen direkt zum Chef in die Werkstatt.» Die Regel dabei ist klar: An die Maschinen geht nur Herr Frauenlob. Dies ist aus Sicherheitsgründen wichtig und wird auch eingehalten. Geschliffen wird händisch mit Schmirgelpapier. Bei Bedarf kommen kleine Handsägen zum Einsatz.

Die Durchführung auf dem Bauernhof ist von der Infrastruktur und Ausstattung sicher die Luxusvariante. Claudia Frauenlob ist aber überzeugt, dass ein Krippenbauen auch in einem Pfarreiraum oder einem Schulwerkraum durchgeführt werden könnte. Wichtig wäre dann, dass die Tische mit Unterlagen geschützt werden. Es braucht auf alle Fälle eine handwerklich begabte Person, welche alle Materialien vorbereitet und sich beim Anlass auf die Bedürfnisse der Familien einstellt und bei Bedarf mit einer Tischsäge etwas zuschneiden könnte.

Krippenbauen ist wie Spielen mit Bauklötzen

Bei der Anleitung verwendet Frau Frauenlob einen Trick. Sie vergleicht das Krippenbauen mit Bauklötzen und Duplo- und Legosteinen. Das gibt den Kindern und Männern Mut, dass sie diese Aufgabe bewerkstelligen können.

Das Ehepaar Frauenlob gibt zu Beginn nur eine ganz kurze Einführung in die Arbeit. Dahinter steckt die Pädagogik von Maria Montessori: «Finde in dir, was du brauchst». Die Gastgeberin beobachtet bei den Gästen Freiheit im Tun und Freude am Entdecken der eigenen Stärken. Zur Unterstützung gibt es Fotos an der Wand, auf welchen unterschiedliche Krippenbauschritte und Niveaus abgebildet sind. Sie sind selbsterklärend und für Unerfahrene eine grosse Hilfe. Bei Bedarf helfen sich die Familien auch untereinander.

Gutes Beobachten und sanftes Eingreifen bei Bedarf

Frau Frauenlob sieht ihre Aufgabe vor allem im aufmerksamen Beobachten. Sie greift nur dann bei einzelnen Personen ein, wenn es das braucht. Es kann z. B. vorkommen, dass ein Mann so in seine Arbeit vertieft ist, dass er die Krippe alleine ohne das Kind baut. Dazu führt Frau Frauenlob aus: «Wenn ich den Eindruck habe, dass es dem Kind so wohl ist, lasse ich es laufen.» Vermutet sie hingegen, dass das Kind auch mitbauen will, gesellt sie sich zu diesen Gästen und verwickelt sie in ein Gespräch. Um für das gemeinsame Bauen zu sensibilisieren, reicht es dann, wenn sie das Kind fragt, was es bisher gebaut hat und was es als Nächstes bauen will.

Ganz selten hat sie es schon erlebt, dass sich Vater und Kind mit der Zusammenarbeit sehr schwertun. In einem solchen Fall hat sie auch schon den Vorschlag gemacht, dass jeder an einem eigenen Bereich arbeitet und am Schluss beide Teile zusammengefügt werden. Das hat gut funktioniert. Frau Frauenlob stellt fest, dass sich die allermeisten Männer sehr gut auf das Kind einstellen. Dieses intensive Arbeiten hat dann fast schon etwas Meditatives. Und ganz spielerisch werden Werte wie Durchhaltevermögen und Teamarbeit gelernt.

Nachhaltiges Projekt, welches über viele Jahre Freude bereitet

© Claudia Frauenlob

Jede Krippe ist am Ende des Tages ein kleines Kunstwerk und einsatzbereit. Voller Stolz wird sie nach Hause getragen. Manchmal wird sie dort auch noch angemalt oder verschönert.

Die Figuren selbst werden beim Vater-Kind-Anlass nicht hergestellt. Im Salzburgerland ist es Tradition, dass die Krippen zum ersten Advent aufgestellt werden. Über die Adventszeit bis Weihnachten und über die Jahre kommen immer mehr Figuren dazu. Da passt eine selbstgebaute Krippe sehr gut. Jedes Jahr zur Adventszeit wird sie aufgebaut und weckt Erinnerungen an das gemeinsame Werken.

Da die Erzdiözese Salzburg das Projekt finanziell unterstützt und auch die Werbung über das überregionale Eltern-Kind-Zentrum organisiert, können die Kosten sehr tief gehalten werden. Jede Familie zahlt inklusive Material und Verpflegung 60 Euro.

 

Danke an Claudia Frauenlob für das Good-practice-Beispiel aus dem Salzburgerland. Das Gespräch führte Christiane Burgert-Rothmaier von der Fachstelle Katechese – Medien in Aarau.