Kirchliche Gemeinschaft aufbauen

Der Mensch ist nicht nur ein Individuum, sondern ein zutiefst soziales Wesen. Aus diesem Grund sind Erfahrungen in und mit Gemeinschaft nicht nur kirchlich, sondern menschlich fundamental wichtig (und letztendlich auch identitätsstiftend).

Das Wort Kirche leitet sich ab vom griechischen Wort kyriakós „zum Herrn gehörig“ bzw. bezieht sich auf das griechische Wort ekklesía (die Herausgerufene), das als Volksversammlung übersetzt werden kann. Kirchliche Gemeinschaft als Volk Gottes unterwegs.

 

Fokus Theologie

Kirche ist zunächst und in ihrem Kern eine Gemeinschaft (Communio), sie umschreibt das Volk Gottes in seiner Gesamtheit – sie ist also universal oder „katholisch“ (im Sinne von allumfassend). Doch sie ist mehr als die sichtbare Verbindung der Menschen, mehr als die Mitgliedschaft, als die Versammlung der Gläubigen oder eine personale Grösse. Kirche hat einen verborgenen Charakter, der sie auf die Verbindung mit Gott verweist.

Formal sind Glaube und Taufe wesentlich für die Mitgliedschaft in der Kirche. Die Kirche verkündet (in Tat und Wort) das Evangelium und tauft die Menschen (Mk 1,15f.) – und der getaufte und glaubende Mensch hat wiederum Anteil am Verkündigungsauftrag der Kirche. Insofern kann die Kirche auch als Leib Christi gesehen werden, in dem alle gemäss ihrem Charisma Anteil haben und eine Aufgabe erfüllen (vgl. 1Kor 12,27ff.). Auch das Amt ist ein genuiner Teil der Kirche. Im Amt und der damit verbundenen personalen und geistlichen Leitung wird ebenfalls ein Charisma sichtbar.

Darüber hinaus muss Kirche auch in ihrem öffentlich-rechtlichen Charakter (lokal als Kirchgemeinde, kantonal als Landeskirche) gewürdigt werden sowie als architektonisch besonderes Gebäude eingeordnet werden können.

Kirche ist als Gemeinschaft und als historische Grösse immer einem gesellschaftlichen Wandel unterworfen – und auch selber im Wandel. Bei diesem immerwährenden Wandel der Kirche ist die Mithilfe aller Gläubigen gefordert.

 

Fokus Kompetenz

Religionsunterricht und Katechese sollen sich einerseits als Ort der Gemeinschaftserfahrung verstehen – und andererseits Gemeinschaft reflektieren. Dabei geht es darum, Kirche als Gemeinschaft wahrzunehmen, zu erfahren und zu gestalten.

Ergänzend dazu wird Kirche als Gebäude ebenso wie als Institution in den Blick genommen. Dabei soll auch kulturelle Vielfalt gesehen und wertgeschätzt, und Kirche als konfessionelle Grösse analysieren werden.

Das heisst, dass die Schüler*innen bzw. Kinder und Jugendlichen Erfahrungen sammeln, diese reflektieren – und sich konstruktiv in die kirchliche Gemeinschaft einbringen.

 

Literatur zum Weiterlesen

Helmut Fischer, Einheit der Kirche? Zum Kirchenverständnis der grossen Konfessionen, Zürich 2010 (TVZ)
Lukas Kundert, Die reformierte Kirche. Grundlagen für eine reformierte Schweizer Ekklesiologie, Zürich 2014 (TVZ)
Jürgen Werbick, Grundfragen der Ekklesiologie, Freiburg 2009 (Herder)