Fachbeiträge

Hoffnungszeichen – Österliche Geschichten mit der Kett-Pädagogik gestalten

Wie können österliche Geschichten für Kinder erfahrbar gemacht werden? Diese Frage kennen wohl viele von uns. Mit den Anschauungen der Kett-Pädagogik haben wir im Unterricht eine weitere Möglichkeit, Lebens- und Glaubensthemen, biblische und profane Geschichten für die Einzelnen individuell erfahrbar zu machen. Der Artikel möchte Sie einladen, konkrete Gestaltungsmöglichkeiten kennen zu lernen und die Relevanz für katechetisch Tätige mit dieser Methode deutlich machen.Viele weiterführende Links innerhalb des Beitrages laden zur Vertiefung der Theorie ein.

Bei der Kett-Pädagogik sind die Kinder beim Gestalten der Anschauung von Anfang an Teil des Geschehens. Nach einem didaktischen Modell ist jede Anschauung aufgebaut:

  • Sammlung/Hinführung
  • Begegnung mit dem Thema,
  • Verarbeiten
  • Deutung

Am Schluss jeder Anschauung liegt ein Bodenbild als Gruppenergebnis auf dem Boden. Das heisst, dass die Innenwirklichkeit jedes Einzelnen und somit die Innenwirklichkeit der Gruppe zu einer Aussenwirklichkeit wird. Ein Bodenbild sieht bei jeder Gruppe anders aus, da verschiedene Individuen bei der Anschauung beteiligt sind.

Die Deutung ist Eigentum jedes Einzelnen in der Gruppe. Bei jeder Anschauung gibt es einen Moment, wo das Thema, die Geschichte persönlich gedeutet wird. Die persönlichen Erfahrungen, Erkenntnisse werden von den Einzelnen still oder in Form von einer Aussage, einer Erzählung, einem Gedanken persönlich beantwortet/gedeutet.

Die Deutung kann mit einem Lied oder einem Gebet unterstützt werden. Wichtig ist, dass die Erfahrungen und Erkenntnisse als die persönlichen „Wahrheiten“ der Kinder respektiert werden. Die Deutungsaussagen der Kinder werden von der Katechetin, vom Katecheten zur Kenntnis genommen. Das Ernstnehmen der persönlichen (religiösen) Erfahrungen und Erkenntnisse der Kinder ist wie ein Boden, auf dem sich das Kind auf seine Art und in seinem Tempo mit seinen religiösen und Glaubensfragen weiter entwickeln kann.

Einen Theorieüberblick finden Sie hier >

Selbsterfahrung

Die Anschauungen an den Kursen für Katecheten und Katechetinnen werden praktisch gleich wie die Anschauungen für die Kinder gestaltet (Abweichungen können Bibelübersetzungen, Lieder und Gebete sein).

Das ist sehr wichtig, damit die Unterrichtenden erkennen, was bei einer Geschichte, einem Lebens- oder Glaubensthema bei den Kindern anklingen kann. Der Transfer zu den Kindern wird möglich. Die Katechetinnen und Katecheten sind bei den Kett-Kursen selber Teil der Gestaltung. Sie werden für die Thematik und die Kinder sensibler und achtsamer.

Reflexion

Bei den Kett-Kursen gibt es nach jeder Anschauung eine Reflexion mit den Teilnehmenden über den Prozess der Anschauung bis hin zum Bodenbild. Diese hat zum Ziel, die Leichtigkeit, die persönlichen und theologischen Herausforderungen sowie Stolpersteine der Anschauung zu erkennen, die Anschauung im Hier und Jetzt anzupassen und weiter zu entwickeln. Mögliche Fragen einer Reflexion können sein: Was seht ihr? Wie ist es Euch während der Gestaltung gegangen (Leichtigkeit, Herausforderung, Stolpersteine)? Gibt es für Dich persönliche Erkenntnisse? Gibt es weitere Fragen? Für welche Altersstufe eignet sich die Anschauung, Begründe?

Kursmorgen auf der Fachstelle Religionspädagogik in Zürich zum Thema Hoffnungszeichen

Im Leben kennen wir dunkle Zeiten, oft auch die Erfahrung, aus diesem Dunkeln heraus Hoffnung zu schöpfen und ins Licht zu kommen: Österliche Erfahrungen mitten im Leben? Diese Annahme war eine Ausgangslage, um den Kursmorgen «kundenorientiert» gestalten zu können.

Ablauf des Kursmorgens in Zürich

  • Reflexion der Anschauungen anhand von Fragen.

Infokasten Kett-Pädagogik

Sr. Esther Kaufmann und Franz Kett haben aus der Praxis die RPP – Religionspädagogische Praxis ins Leben gerufen.

Später trennten sich die beruflichen Wege von Sr. Esther Kaufmann und Franz Kett.

Sr. Esther und P. Dr. Meinulf Blechschmidt arbeiten weiter mit der Religionspädagogischen Praxis – RPP.

Franz Kett: Vor 10 Jahren wurde das Institut für ganzheitlich sinnorientierte Pädagogik gegründet. Von da an hiess die Pädagogik – gsP – ganzheitlich sinnorientierte Pädagogik.

Nach 10 Jahren erklärte sich Franz Kett bereit, dass das Institut nach seinem Namen genannt werden darf.

Seit 2017 heisst die gsP – Kett-Pädagogik und ist nach ihrem Begründer benannt.

Die Kett-Pädagogik hat ihren Ursprung im Kindergarten. Inzwischen wurde sie weiterentwickelt und die Kett-Pädagogik eignet sich sehr gut für die Unter- und Mittelstufe. Angepasste Anschauungen werden in der Jugend- und Altersarbeit eingesetzt.

Literatur

  • Franz Kett, Dr. Robert Kocy, RPA-Verlag, Die Religionspädagogische Praxis – Ein Weg der Menschenbildung
  • Institut für Kett-Pädagogik, Franz Kett-Verlag GSEB, Jahrbücher zu verschiedenen Themen.
  • Religionspädagogische Praxis, RPA-Verlag, Zeitschrift für eine ganzheitliche Glaubensverkündigung (die Zeitschrift erscheint 4 Mal pro Jahr).
Christine Kohlbrenner-Borter ist Fachliche Mitarbeiterin an der Fachstelle Religionspädagogik Bern und Absolventin des Multiplikatorenkurses in Kett-Pädagogik. CC BY-NC-SA 3.0  Christine Kohlbrenner-Borter | reli.ch
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