Fachbeiträge

Gestern ist VorMorgen: Impulstagung zur Katechese der Zukunft

Was können uns 50 Jahre Geschichte einer diözesanen katechetischen Kommission an Impulsen für die Katechese der Zukunft bieten? Die Impulstagung zum 50jährigen Jubiläum der BKK/DKK Basel erwies sich als eine der wenigen kirchlichen Tagungen, in der nicht das Lamentieren über Verlorenes, sondern die Chancen der Zukunft im Vordergrund standen. Und sie zeigte in sechs innovativen Ateliers, wie diese gestaltet werden kann.

Wer braucht schon Strukturen?

An  wie vielen Sitzungen haben Sie schon teilgenommen? Wie viele davon wären verzichtbar gewesen? Für ihr Referat hat Prof. Monika Jakobssämtliche Sitzungsprotokolle der DKK Basel aus den vergangenen 50 Jahren analysiert. Ihr Fazit: Vernetzung alleine reicht nicht. Es braucht richtige Kommunikation über gehaltvolle Sachfragen. „Wenn es um etwas geht, dann gibt es Zoff. Wenn es keinen Zoff gibt, dann geht es auch um nichts,“ so Jakobs. Und Zoff hat es in den vergangenen Jahrzehnten einigen gegeben. Entsprechend hat sich auch die Katechese weiterentwickelt. Sie wurde gestärkt und professionalisiert durch Impulse zur Sakramentenvorbereitung, die Gründung der katechetischen Fachstellen, ein gemeinsames Berufsbild, eine standardisierte Ausbildung nach ForModula, die IKK, das Netzwerk Katechese, ökumenische Perspektiven und ein gemeinsames Leitbild.

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Prof. Monika Jakobs, ©David Wakefield | reli.ch

Daneben gab es Dauerthemen, die uns auch künftig weiter beschäftigen werden. Beispielsweise die Frage nach der Zentralisierung: was soll vor Ort geregelt werden und wo machen übergeordnete Strukturen Sinn? Abseits der Debatte um „das war noch nie so“ und „das war schon immer so“ sollen Strukturen sich nicht um sich selbst drehen, sondern der Sache dienen. Eine starke Praxis vor Ort und starke Strukturen bedingen sich gegenseitig: zumindest, wenn man nicht nur vernetzt ist, sondern auch richtig miteinander kommuniziert. Und dafür bietet das Leitbild Katechese im Kulturwandel eine gute Ausgangslage.

7fach reformiert: Sichtweisen auf das Leitbild

Binnenperspektiven bergen die Gefahr blinder Flecken. Eine Betrachtung von Aussen kann helfen, nach Innen neue Sichtweisen zu erhalten. Prof. Eva Ebelvon der reformierten Kirche bot uns eine Sehhilfe in sieben Punkte auf unser Leitbild Katechese im Kulturwandel.

Bemerkenswertes und Beneidenswertes:

  • Ein gemeinsames Leitbild für 21 deutschschweizerische Kantone/Kantonsteile, verteilt auf fünf Bistümer offenbart einen, besonders für schweizerische Verhältnisse, bemerkenswerten Willen zur Einigung und eine enorme Wertschätzung der Katechese.
  • Sich den Herausforderungen des Kulturwandels zuversichtlich und offen zu stellen, zeugt von Mut und Selbstvertrauen.
  • Katechese darf sich nicht auf Kinder und Jugendliche beschränken. Das Leitbild nimmt die veränderten Voraussetzungen an und schafft Raum für Entwicklungsmöglichkeiten jenseits der Pubertät.
  • Es zeugt von Profil und Selbstbewusstsein, konsequent von Angeboten zu sprechen und auf Begriffe wie „obligatorisch“, „Zwang“ und „verbindlich“ zu verzichten.
  • Katechese ist anspruchsvoll. Es sollen diejenigen in der Katechese tätig sein, die es können, nicht die, die es auf Grund eines Amtes dürfen. Der Leitsatz 12 des Leitbilds ist Anspruch und Zuspruch zugleich.
Prof. Eva Ebel, © David Wakefield | reli.ch

Prof. Eva Ebel, © David Wakefield | reli.ch

Ausbaufähiges:

  • Kirche darf sich nicht in sich selbst zurückziehen. Auch in den Kantonen, in denen sie nicht mehr in Form eines konfessionellen Religionsunterrichts an den Schulen präsent ist, muss sie sich bleibend dafür einsetzen, dass Kinder und Jugendliche einen gehaltvollen Religionsunterricht angeboten bekommen. Die Möglichkeiten zur Kooperation mit Schulen sind noch nicht ausgeschöpft.
  • Die ökumenische Ausrichtung ist derzeit an den meisten Orten mehr Wunsch als Wirklichkeit. Hier gilt es künftig neue Akzente in Aus- und Weiterbildung zu setzen.

Prof. Ebel schloss mit dem Fazit, dass das Leitbild Katechese im Kulturwandel ein ermutigendes, weltoffenes und anregendes Grundlagendokument ist, das einen Konsens bietet, auf dem die Katechese der Zukunft sich entwickeln kann und wird. Wie die Teilnehmenden der Tagung sich im Anschluss an den Impuls von Eva Ebel die Zukunft der Katechese vorstellen, erfahren Sie in folgender Bildstrecke:

© David Wakefield | reli.ch

Katechese der Zukunft: Perspektiven in Ateliers

Konkret wurde die Tagung dann in Form von sechs verschiedenen Ateliers, die jeweils einen der Leitsätze aufgriffen und exemplarisch zeigten, wie Katechese in Zukunft gestaltet werden kann:

  • „Out of the box – Katechese en bloc: Denkanregungen für eine zukunftsgerichtete Katechese.“ Zum Atelier mit Dr. Moni Egger folgt ein separater Blogbeitrag am Dienstag, 27.09.2016.
  • „Gemeindekatechese: Von der integrierenden zur impulsgebenden Pastoral.“ Zum Atelier mit Dr. Christoph Gellner folgt ein separater Blogbeitrag am Dienstag, 04.10.2016.
  • „In Schule bleiben! Wider das Ghettodenken.“ Zum Atelier mit Prof. Kuno Schmid folgt ein separater Blogbeitrag am 25.10.2016.
  • „Von Hipp bis Kukident: Katechese im Miteinander der Generationen.“ Zum Atelier mit Melanie Wakefield folgt ein separater Blogbeitrag am Dienstag, 01.11.2016.
  • „Buffet statt Eintopf: Veränderungen katechetischer Handlungsfelder in (neuen) pastoralen Räumen.“ Zum Atelier mit Dr. Joachim Köhn folgt ein separater Blogbeitrag, dessen Datum noch offen ist.
  • „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen: soziales Engagement für MigrantInnen als Chance für die Pastoral.“ Zum Atelier mit Nicola Neider-Ammann folgt ein separater Blogbeitrag, dessen Datum noch offen ist.

Humoristische Schlaglichter

Die Jubiläumstagung bot immer wieder Gelegenheit zum Lachen und Schmunzeln. Richtig lustig wurde es aber, als der Karikaturist Jonas Brühwilereine Eindrücke zur Tagung präsentierte:

© Jonas Brühwiler | reli.ch

Eindrücke

Was neben viel Applaus und dem Dank von Bischof Felix Gmür für das Engagement der Anwesenden und der vielen Engagierten der vergangenen Jahrzehnte bleibt, ist die Einsicht, dass Kirche nicht still steht, sondern sich immer wieder verändert. Die Tagung vermochte Pfade aufzuzeigen, wie Katechese in der Zukunft gelingen kann. Schön, wenn möglichst viele diese Pfade beschreiten und zu Wegen machen. Das Leitbild Katechese im Kulturwandeldient dabei als Orientierungshilfe.

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© David Wakefield | reli.ch

Hinweise

Zur Zukunft der Katechese empfehle ich Ihnen den Blogbeitrag von Monika Jakobs „Morgen noch Katechese?“. Wer sich ein Bild zur Religionspädagogik in der Schweiz verschaffen möchte, wird in dieser Zusammenstellung fündig. Neu wurden auf der Seite die Beiträge aus der SKZ(Schweizerische Kirchenzeitung) eingebaut, so dass Sie viele Texte direkt abrufen können.

Möchten Sie die Zusammenfassung der Ateliers nicht verpassen? Tragen Sie sich für die Reli-Newsein.

 

David Wakefield leitet das Fachzentrum Katechese am RPI an der Universität Luzern. In Zürich ist er Ausbildungsleiter an der Fachstelle für Religionspädagogik. david.wakefield@unilu.ch David auf Twitter David auf Facebook CC BY-NC-SA 3.0  David Wakefield | reli.ch
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