Fachbeiträge

*fu* oder „bless you“

© Ursi Kramer

In der Jugendsprache hört man oft jenes Wort, das im SMS-Gebrauch mit *fu* (bei Unkenntnis im Internet nachzuschlagen) abgekürzt wird und eines der härtesten Schimpfwörter oder Flüche bezeichnet. Fluch ist das Gegenteil zum Segen. In der Bibel legt uns Gott beides vor: „Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch“ (Dtn 30,19) aber fordert uns auf, den Segen (das Leben) zu wählen: „Wähle also das Leben, damit du lebst…“.

Tatsächlich begegnet uns auch tagtäglich der Segen:

„Auf Wiedersehen und alles Gute!
Komm gut nach Hause!
Viel Kraft für die kommende Woche!
Hab eine gute Fahrt!
Adieu / Adios / addio („zu Gott (hin)“ – Gott anempfehlen)
Eine gute Zeit!
Viel Glück, alles Gute und vor allen Dingen Gesundheit!“

Ein paar Mal an jedem Tag wünsche ich einem anderen Menschen etwas Gutes. „Etwas Gutes sagen“ heisst im Lateinischen „bene dicere“  oder im Altdeutschen „benedeien“, was nichts anderes bedeutet als segnen.

In der Bibel kommt das Wort segnen annähernd 400 Mal vor. In den Buchhandlungen gibt es unzählige Bücher und Kalender mit irischen Segens-Sprüchen. Der Segen erlangt aktuell nicht nur bei Christinnen und Christen einen richtigen Hype.

Das Leben birgt unzählige Gefahren. Jedes Mal, wenn wir das Haus verlassen und uns auf dem Weg machen, setzen wir uns diesen Gefahren aus. Für den konkreten Weg in die Schule oder zur Arbeit oder gar für eine Reise einen guten Wunsch zugesprochen zu bekommen, gibt uns Kraft und Zuversicht.

Gerade auch in Zeiten von Umbrüchen, Neuanfängen und Entscheidungen, können uns gute Wünsche (ein Segen) eine Hilfe sein.

Das gilt nicht nur für uns Erwachsene. Auch Kinder und Jugendliche sind empfänglich für gute Worte und stärkenden Zuspruch.

Wir Christinnen und Christen glauben, dass die Quelle allen Segens Gott selber ist. Der Segen ist in seiner Schöpfung schon überall da. Wenn wir uns Gutes zusprechen, werden wir an das Gute in der Schöpfung, in und um uns erinnert. Der Segen erinnert uns auch daran, dass wir für andere ein Segen sein können.

Zum Segnen sind wir alle berufen, nicht nur Priester und Seelsorgerinnen. Vom kurzen „Pocket-Segen“ (Kreuzzeichen) hin zum stündigen Ritual kann uns der Segen begleiten. Er ist einsetzbar in der einzelnen alltäglichen Begegnung, in der Religionsstunde, bei einer Gesprächsrunde oder einer Sitzung sowie in diversen liturgischen Feiern. Das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut in St. Gallen führt derzeit gar eine Umfrage über Segenshandlungen und Segensrituale durch.

Ich möchte Mut machen, dem Segen in der pfarreilichen Arbeit grosse Aufmerksamkeit und Raum zu schenken. Dazu finden Sie hier diverses Material und Buchempfehlungen.

Zum Schluss einen nicht alltäglichen Segen, der Sie alle begleiten möge und auch gut und gerne an Kinder weitergegeben werden kann: 

Bärenstarker Segen

Noch viel näher als Dein Kuschelbär sei Gott Dir nahe!
Er mache Dich bärenstark in der Hoffnung und in der Liebe!

Wie ein warmes und weiches Fell schütze Dich Gott auf all Deinen Wegen.
Allen Brummbären zum Trotz, vertrau auf Deine eigenen Kräfte!

Gott reiche Dir seine freundschaftliche und starke Hand,
damit Dir niemand einen Bären aufbindet.

Er schenke Dir grossen Mut, niemandem einen Bärendienst zu erweisen,
sondern immer wieder für das Gute zu kämpfen.

Und wenn Dich einmal Deine Bärenkräfte verlassen,
vertraue getrost darauf, dass Gott Dich aufrichtet.

So sei behütet und gesegnet bis wir uns wieder sehen.

Aus Florian Piller und Claudio Tomassini: Dass Erde und Himmel Dir blühen…, Verlag Pipo Buono, ISBN 978-3-9522007-4-2

Material

Bücher zum Thema Segen

Anleitung zum Schreiben von Segenssprüchen

Das Segensritual

Segen in der Bibel

Biblische Segensgeschichten für Kinder

Segensrituale und -Feiern für Jugendliche

Theologische Aspekte des Segens

Der Segen ist wie – Bilder von Ursi Kramer

Der Segen ist wie – Gedanken zu den Bilder von Ursi Kramer

Segensswürfel mit Text

Segenswürfel blanko

Meine Segenserfahrungen – Leprorello

 

Florian Piller, geboren 1964 in Zürich ist Priester des Bistums Basel, Gestaltpädagoge und Gestaltberater IGCH. Zurzeit arbeitet er als priesterlicher Mitarbeiter in der Pfarrei Rheinfelden-Magden-Olsberg.   CC BY-NC-SA 3.0  Florian Piller | reli.ch
Kompetenz: 1E-4, 2E-3, 3E-3, 4E-2