Fachbeiträge

Erstkommunionfeier – Bitte die Mitte nicht verstellen

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Die Erstkommunionfeier und die Vorbereitung der Kinder bilden eine pastorale Herausforderung. Kindsgerecht einfach soll es sein, aber nicht kindlich oder gar kindisch. Der Autor plädiert für eine klare Fokussierung auf die Mitte der Eucharistie: Das Ostergeheimnis.

In diesen Tagen finden die Erstkommunionfeiern statt. Mit viel Liebe und Sorgfalt werden sie vorbereitet. Katechetinnen und Katecheten sowie die Zelebranten legen viel Herzblut hinein, um die Feier kindergerecht zu gestalten. Sie möchten den Kindern ein religiöses Erlebnis ermöglichen, an das sie sich gerne erinnern. Zahlreiche Bräuche wie z.B. die weissen Kommunionkleider, die Blumenkränzchen für die Mädchen oder die aufspielende Feldmusik unterstützen die besondere Atmosphäre. Viele Eltern bereiten für ihr Erstkommunionkind eine Familienfeier mit Gästen aus nah und fern.

Rundum erlebt das Erstkommunionkind einen besonderen Tag. Das ist gut so und verdient Anerkennung.

Ein Tagesereignis?

Das Besondere dieses Tages führt für manches Erstkommunionkind zur Wahrnehmung einer Einmaligkeit dieses Tages. Der Tag als solcher wird zur Mitte. Ist er vorbei, dann ist auch vorbei, was mit ihm verbunden ist.

Die Erstkommunion wird zugleich zur (vorläufig) letzten Kommunion. Das Tagesereignis verstellt die wahre Mitte der Christusbegegnung in der Eucharistie, ja die Einverleibung des Leibes Christi.

Weckt die Eucharistiekatechese in den Kinderherzen die Sehnsucht nach der Begegnung mit dem Herrn? Der Wunsch, die heilige Kommunion zu empfangen, vergeht schnell.

Thema oder Inhalt?

Mit guter Absicht wird die Erstkommunionvorbereitung und die Erstkommunionfeier oft unter ein Thema gestellt. Ein Blick in die Pfarrblätter zeigt einen breiten Themenkatalog:

  • «Eingeladen zum Mahl des Herrn»
  • «Jesus lädt uns alle ein»
  • «Mit Jesus unterwegs»
  • «Lasst uns seine Spuren suchen»
  • «Unter Gottes Schutz und Schirm»
  • «In Gottes Garten»
  • «Kommunion: Gemeinschaft – verknüpft, vernetzt»
  • «Zeichen der Liebe»
  • «Komm mit, wir suchen einen Schatz! »
  • «Man sieht nur mit dem Herzen gut» (A. de Saint-Exupéry)

Erreicht die Eucharistiekatechese über solche Themen die inhaltliche Mitte der Eucharistie? Das Herrenmahl versteht die christliche Tradition als Osterereignis. Im Gedächtnis an Jesus Christus vergegenwärtigen sich im Brechen des Brotes und im Trinken aus dem einen Kelch Tod und Auferweckung Jesu Christi. Der Mahlcharakter und die Mahlgemeinschaft sind noch nicht die Mitte der Eucharistie. Jesus an meiner Seite zu wissen, ist noch nicht die Mitte der Eucharistie. Allein die Hingabe seiner selbst bis in den Tod und die Auferweckung von den Toten durch seinen Vater im Himmel trifft jene Mitte, derer wir in der grossen Danksagung gedenken.

Laden die Erstkommunionfeiern in der Osterzeit nicht ein, das Ostergeschehen zu thematisieren?

Auch die Tradition der Taufgelübdeerneuerung bietet Gelegenheit Taufe und Eucharistie als Osterereignisse zu verbinden. Taufe und Eucharistie verdienen in der Kinderkatechese eine tiefere Beziehung zueinander, um dem Ostergeheimnis als Mitte Raum zu geben.

Leib Christi

Es irritiert mich, wenn da und dort beim Kommuniongang das Brot des Lebens gereicht wird, nicht der Leib Christi. Sicher, Jesus bezeichnet sich als Brot des Lebens. Aber verbindet, wer die Kommunion empfängt, mit der Hostie als Brot des Lebens Jesu Christi Geschick und Heilstat? Jesus bezeichnet sich als Brot des Lebens, gibt aber sich selber hin.

Hier plädiere ich für Eindeutigkeit. Verschiedene mögen sich als Brot des Lebens bezeichnen, aber nur auf einen trifft der Leib Christi zu.

Noch einmal legt sich die Verbindung zum Taufgeschehen nahe: Im Wasser und im Heiligen Geist werde ich eingegliedert in den Leib Christi. So kann schon der heilige Augustinus zum Kommunionempfang sagen: «Sei, was du siehst, und empfange, was du bist. » (Predigt 272) Die Hingabe Jesu Christi und seine Auferweckung von den Toten begründen den Leib Christi als die Gemeinschaft der Getauften. Der sakramentale Empfang des Leibes Christi nährt mich als Glied am Leib Christi und stärkt meine Bindung an ihn.

Auf die Mitte zielen

Pastorales Handeln orientiert sich gerne an drei Fragen: Was tun wir? Wie tun wir es? Warum tun wir es? Die letzte Frage zielt auf die Mitte. Darum muss die Eucharistiekatechese und die Erstkommunionfeier auf diese Frage präzise antworten können: Warum? In der Arbeitshilfe für die Eucharistiekatechese «Auf dem Weg zur Eucharistie»(Netzwerk Katechese2014) finden sich viele Anregungen, um nach der diesjährigen Erstkommunionfeier zurückzuschauen und zu evaluieren. Ich wünsche Ihnen anregende Gespräche, erhellende Einsichten und vertieften Glaubenssinn!

 

Markus Thürig ist Generalvikar des Bistums Baselund Delegierter der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz (DOK)im Präsidium Netzwerk Katechese   CC BY-NC-SA 3.0  Markus Thürig | reli.ch
Kompetenz: 2E-1, 2E-3, 2E-7, 3D-3
Leitsatz 7