Fachbeiträge

Disziplin und Unterrichtskultur (2. Teil)

Dietrich Schneider / pixelio.de

Disziplin ist nicht nur für den Lernertrag entscheidend, sondern auch für die eigene berufliche Zufriedenheit. Massgeblich hierfür sind neben dem eigenen Verhalten auch geklärte Strukturen in Katechese-Teams.

Karin Frey hat in ihrem Buch ‚Disziplin und Schulkultur. Akteure, Handlungsfelder, Erfolgsfaktoren‘ in der Reihe ‚Impulse zur Schulentwicklung‘ das Disziplinen-Pentagramm entwickelt. Sie zeigt auf, dass fünf Faktoren die Disziplin mitbestimmen.
Ihre Überlegungen sind nicht nur für die Volksschule, sondern auch für den Religionsunterricht und die Katechese von Bedeutung.

In einem 1. Teil habe ich die beiden ersten Handlungsfelder beschrieben, die von den einzelnen Lehrpersonen beeinflusst werden: ‚Unterrichtsgestaltung, Klassenführung‘ und ‚Rollen, Interaktionen, Beziehungen‘.

Pentagramm

In diesem 2. Teil werde ich drei weitere Handlungsfelder, welche im Verantwortungs- und Gestaltungsbereich des Katechese-Teams liegen, umschreiben.

Handlungsfeld  3:  Strukturen, Werte, Normen

Eine von Wertschätzung, Toleranz und Respekt geprägte Zusammenarbeit führt zu einem unverkrampften Verhältnis zwischen den Teammitgliedern (inkl. Hauswart und Sekretariat). Dies fördert eine gute Grundstimmung und positive Atmosphäre im Pfarreizentrum oder Schulhaus, von denen alle am Unterricht Beteiligte profitieren werden. Wenn Regeln, Kompetenzen, Pflichten und Strukturen geklärt sind, gibt es weniger Grenzauslotungen, Konflikte, Respektlosigkeiten oder gar Mobbing. Die einzelne Lehrperson wird gestärkt, da sie gemeinsam entwickelte Regeln anwenden muss.

Klären Sie im Katecheseteam folgende Punkte und halten Sie das Ergebnis schriftlich fest:

  • Welche Werte und Normen sind uns wichtig?
  • Welche gemeinsamen Regeln gelten und wo gibt es Gestaltungsspielraum?
  • Sanktionen bei Regelverstössen sind geklärt und allen bekannt.
  • Gemeinsam wurde festgehalten, wer welche Kompetenzen, Pflichten und Rechte hat.
  • Klare Organisationsstrukturen sind auf einem Organigramm ersichtlich..
  • Partizipationsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern sind geklärt und begrenzt.
  • Normen, Werte und Regeln sollen im Schulhaus oder im Pfarreizentrum sichtbar sein.

Es empfiehlt sich, das Ergebnis in einem Dokument festzuhalten, mit dem Seelsorgeteam, dem Pfarreirat und der Kirchenpflege zu besprechen und den Eltern zukommen zu lassen. Das Ergebnis kann auch ins Leitbild für den Religionsunterricht / die Katechese fliessen. Ein solches Leitbild trägt ebenfalls zur Klärung der Strukturen bei.

Handlungsfeld 4:  Wahrnehmung, Kommunikation, Reflexion

Die Mitarbeitenden sollen als ein Team und nicht als eine Gruppe von Einzelplayern wahrgenommen werden. Lehrpersonen, welche sich gegenseitig ausspielen, beliebter sein wollen als die andern, und notfalls viel zu viele Zugeständnisse an die Lernenden machen, schwächen die Position des ganzen Lehrkörpers. Die unterschiedlichen Ressourcen der einzelnen Teammitglieder müssen erkannt und sollen zur Unterstützung des Lernens genutzt werden. In entsprechenden Gefässen (Stufenteams, Q-Gruppen usw.) sollen die einzelnen Wahrnehmungen besprochen, unterschiedliche Wertungen angenähert, Vergangenes evaluiert und weitere Entwicklungen geplant werden.

In einer internen Weiterbildung zur Teamentwicklung und Teamarbeit können folgende Punkte geklärt werden:

  • Subjektive Wertmassstäbe transparent machen und sich gegenseitig annähern.
  • Transparenter, stimmiger und geeinter Umgang mit Normen, Werten und Regeln
    -> Hilfe für Lernende und Lehrpersonen.
  • Die Gefässe „Katechese-Team oder Q-Gruppen“ mit gegenseitiger Hospitation bilden eine Einheit und dienen in ihrer Gesamtheit der Sicherung und Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität.
  • Bei der kollegialen Beratung werden schwierige Unterrichtssituationen besprochen, Lösungen gesucht und erprobt und die Lehrpersonen stützen sich gegenseitig.

Handlungsfeld 5: Schulexterne Einflüsse

Einflüsse ausserhalb der Reichweite des Katechese Teams bestimmen das Unterrichtsgeschehen mit. Soziale Milieus, unterschiedliche Nähe und Distanz der Eltern zur Kirche, Peer Groups, denen die Lernenden angehören und die Medien beeinflussen die Kinder und Jugendlichen und dadurch auch ihr Verhalten im Religionsunterricht und in der Katechese.

Mit folgenden Massnahmen kann eine sinnvolle Auseinandersetzung mit diesen externen Einflüssen eingeleitet werden:

  • Gefässe für Kontakt und Austausch mit den Erziehungsberechtigten anbieten (Elternarbeit).
  • Unterschiedliche Bildungs- und Erziehungskonzepte werden aufgezeigt, miteinander verglichen, besprochen und bewertet, damit die Erziehungsberechtigten toleranter werden und sich gegenseitig annähern können (Elternarbeit).
  • Zusammenarbeit mit Sozialarbeit, Familien- und Jugendberatung, usw. wird bei Problemsituationen genutzt.
  • Schwere (disziplinarische) Konflikte werden gemeinsam gelöst (Schülerin/Schüler, Eltern, Religionslehrperson, evtl.. Klassen-Lehrperson, Verantwortliche für den Religionsunterricht, evtl. zusätzliche Fachpersonen).
  • Medienerziehung ist Thema im Religionsunterricht / in der Katechese und in der Elternarbeit

Es lohnt sich

Liebe Katechese-Teams, nehmt euch Zeit, euch mit diesen fünf Handlungsfeldern in einer internen Weiterbildung auseinanderzusetzen, um den Religionsunterricht und euer Team zu stärken. Es lohnt sich! Teilt eure Erfahrungen gerne durch die Kommentarfunktion direkt unter dem Beitrag mit und kommt ins Gespräch!

Literatur

Frey, Karin: Disziplin und Schulkultur. Handlungsfelder, Akteure, Erfolgsfaktoren, Bern/Aarau 2010.

 

Gregor Schwander ist Dozent für Didaktik und Methodik am RPIan der Universität Luzern. Für das Netzwerk Katechese hat er bei der Erarbeitung des Buchs „Mit Eltern zusammenarbeiten in Gemeindekatechese und Unterricht“ mitgewirkt (Rex-Verlag, Luzern 2013). CC BY-NC-SA 3.0  Georg Schwander | reli.ch
Kompetenz:
Leitsatz 312